VAREL - In strömendem Regen erreichen die Besucher, zumeist im Laufschritt mit Zeitungen und Regenschirmen über dem Kopf, das Jugend- und Vereinshaus „Weberei“, das an diesem Donnerstag Auktionsstätte ist. Drinnen in der großen Halle sind schon alle Plätze besetzt, viele Leute stehen seitlich an den Wänden angelehnt oder begutachten neugierig die Dinge, die an diesem Tag unter den Hammer kommen sollen – vor allem Fahrräder: Rund 80 Stück sind mit kleinen nummerierten Zetteln im Rücken des Auktionators hintereinander aufgestellt – Hollandräder neben Mountainbikes, ein neuwertiges Trekking-Rad hinterm verrostetem Drahtesel, Kinderräder mit einer Acht in der Felge vor Damenrädern mit Kindersitz. Aber auch Armbanduhren werden versteigert, Handys und Kameras.
Die Auktion wird vom Fundbüro organisiert. „All das hier ist seit über einem halben Jahr bei uns“, erklärt Sandra Ludwig, Leiterin des Büros. Sie freut sich darüber, dass die zweimal jährlich stattfindende Versteigerung diesmal so viel Aufmerksamkeit erregt – „im Frühjahr war wesentlich weniger los“, erinnert sie sich.
Als ihr Kollege, Holger Boomhuis, das erste Mal mit seinem groben Holzhammer aufs Pult drischt, verstummen die Gespräche im Raum. Auf einer Empore neben ihm steht ein schwarzes Damenrad, Nummer 25/08. „Dreimal geklopft ist verkauft, keine Reklamation, gekauft wie gesehen, gesteigert wird in Ein-Euro-Schritten“, erklärt Boomhuis knapp die Regeln. Die Versteigerung beginnt bei einem Euro, schnell sind 30 erreicht, viele Leute interessieren sich für 25/08, besonders der kleine Mustafa. Er geht bei 35 Euro mit, wird noch übersteigert und erhält dann doch bei 40 Euro – erstens, zweitens und „bumm“ drittens – den Zuschlag. Neben der Bühne steht Sandra Ludwig, um direkt in bar das Geld zu kassieren, doch der Zehnjährige ist unzufrieden mit seinem Kauf. Der gesamte Rahmen ist verzogen, das Rad lässt sich kaum bewegen. „Das konnte ich gar nicht sehen, so wie es da vorher stand“, protestiert der Junge. Ludwig ist unentschlossen, was zu tun ist, ruft den Kollegen Boomhuis, um nach kurzer
Beratung Gnade vor Recht walten zu lassen. „Das ist aber die große Ausnahme", erklärt Ludwig. Mustafa setzt sich zurück auf seinen Stuhl, er hat schon das nächste Rad im Auge.
Derweil hat Thomas Theilen seiner Tochter für 55 Euro ein schwarzes Hollandrad ersteigert. „Ein wahres Schnäppchen“, findet er. Natürlich müsse er noch etwas daran machen, aber es sei immerhin ein schwarzes Hollandrad – genau das, was sich seine Tochter gewünscht habe.
Mustafa ist nun schlauer geworden – er überprüft die Reifen des nächsten Fahrrads, schiebt es einige Meter vor und zurück und winkt schließlich ab. Jetzt noch nicht.
In der Zwischenzeit ersteigert Angelika Gleue ihrem Enkel für 18 Euro ein Mountainbike. „Eigentlich wollte ich gar nichts kaufen“, lacht die Varelerin, „ich wollte nur gucken, weil das so aufregend hier ist“.
Nun hat Mustafa endgültig seine Wahl getroffen. Die erste Interessenten-Welle ist abgeebbt, er erhält schnell den Zuschlag. Zufrieden schiebt er sein neu erworbenes Fahrrad aus der Halle – jetzt scheint die Sonne.
