VAREL - „Es gilt gekauft wie gesehen“, ertönt es. „Geboten wird auf Ein-Euro-Weise, und nicht mit 50 Cent – damit fangen wir gar nicht erst an.“ Kurz die Regeln erläutert, dann beginnt „Auktionator“ Jens Ihmels mit seinem Programm. Etwa 70 Fundräder galt es am Donnerstag in der Halle des Jugend- und Vereinshauses „Weberei“ in Varel zu versteigern. Mehr als 100 Menschen bekundeten ihr Interesse durch Erscheinen – und vorherige Besichtigung der Fahrräder. „Da wird aber auf Herz und Nieren geprüft“, bemerkte Sandra Ludwig, Mitarbeiterin der Stadt Varel, als sie einige Besucher beobachtete, wie sie beispielsweise den Reifendruck oder das Tretlager einiger Exemplare genauer untersuchten.

„Es ist wichtig, dass ihr die Hände hoch haltet, dass ich das auch sehe“, forderte Ihmels, von Beruf Hausmeister in der „Weberei“, alle Beteiligten zu Beginn der Versteigerung auf, als die Gebote noch schleppend abgegeben wurden. So ging ein „Glanzstück“ der Versteigerung gleich als erstes für sage und schreibe 21 Euro an seinen neuen Besitzer.

Doch steigerte sich das Tempo schon sehr bald. Manch ein Erwachsener guckte denn auch verdutzt, als Ihmels den Hammer nach nur einem ersten Gebot aufschlug. „Manchmal geht es ruck zuck mit dem Hammer“, erklärte er anschließend, „mit Absicht.“ So meist bei Kinderfahrrädern, und wenn Kinder bieten. „Es ist schön, beim Zuschlag die leuchtenden Augen der Kinder zu sehen.“ Ganz nebenbei ist es laut Ihmels eine gute Möglichkeit, ein wenig Schwung in die Veranstaltung zu bringen. „Jetzt sag’ nicht, das ist das Fahrrad, auf das du seit zehn Jahren schon gewartet hast“, gab er denn auch auf den leichten Protest eines erwachsenen Bieters zurück, der mit seinem Gebot ein paar Sekunden zu spät war.

Manch einer schob gleich mit mehreren Fahrrädern bei der Versteigerung davon, so ein Kandidat aus Burhave, der die Räder aufarbeitet, für ein Jahr in die Vermietung aufnimmt und dann verschenkt oder stiftet. Ebenso ein achtfacher Vater aus Bockhorn, der regelmäßig zu den Terminen in die „Weberei“ kommt, unter anderem um Zweiräder für seine sechs Enkel zu ergattern. Auch dieses Mal kaufte er mehrere Räder, zum Teil nach dem Motto: „aus zwei eines machen“. „Im Geschäft kostet eine Fahrradgabel schon 30 Euro. Hier bekomme ich ein ganzes Rad für den Preis“, betonte er.

So sind denn am Schluss der Versteigerung auch „alle Fahrräder weg“, verkündete Ihmels, „das günstigste für einen Euro, das teuerste für 80 Euro.“ 1070 Euro hat er mit seinem Team insgesamt erzielt. Das Geld kommt dem städtischen Haushalt zu Gute.