VAREL - Eine spürbare Veränderung in der Finanzkrise zeichnet sich nach Einschätzung des Chefanalysten der Bremer Landesbank, Folker Hellmeyer, ab Sommer 2009 ab. „Es wird besser“, könne man feststellen, erklärte Hellmeyer jetzt bei einem Vortrag in Varel.
Dazu trage das Ende der Abschreibung so genannter toxischer Wertpapiere ebenso bei wie die Zinspolitik sowie die staatlichen Konjunkturprogramme, erklärte Hellmeyer bei einer Veranstaltung der Regionalkreise der Arbeitsgemeinschaft Selbstständiger Unternehmer (ASU) und des Bundes Junger Unternehmer (BJU) mit über 50 Gästen im „Tivoli“ in Varel. Der Experte ist Autor auch des 2008 erschienenen viel diskutierten Buches „Endlich Klartext – Ein Blick hinter die Kulissen unseres Finanzsystems“.
Die Veränderung kennzeichnete Hellmeyer als eine „Art Wetterscheide“, sozusagen als eine Neuordnung des Krisengeschehens mit positiven Anzeichen bei einzelnen, aber wesentlichen Parametern. So werde sich die Funktionalität der Finanzmärkte sukzessive verbessern. Das globale Wirtschaftswachstum allerdings werde 2009 bei minus 0,5 Prozent bzw. 0 Prozent verharren.
Strategisch könne das allerdings nur heißen, dass „wir Zeit gewinnen für notwendige Strukturreformen“, zu denen neben international nötigen Finanzmarktreformen etwa auch nationale Steuersenkungen zu gehören hätten. Blieben solche Reformen aus, wäre 2013/2015 „eventuell eine erneute große Krise“ denkbar. Im Übrigen stelle die Inflationsgefahr für die Euro-Zone in den nächsten zwei Jahren „kein Problem“ dar. Wesentliche Grundlage der aktuellen Krise ist nach Auffassung Hellmeyers, dass die USA „aus machtpolitischen Aspekten“ versucht haben, eine notwendige Rezession ihrer Volkswirtschaft aufzuschieben. „Antiautoritäres Banking“, eine auch aus Gewinnsucht nahezu absolut vernachlässigte Kreditüberwachung habe ein Übriges getan. Wenn das westliche Freiheitsmodell Bestand haben solle, müsse das Finanzmarktsystem verändert werden. Als längerfristige Folge der „größten Wirtschaftskrise seit 1929“ skizzierte Hellmeyer eine Ablösung des US-zentrierten Finanzsystems durch ein multipolares
System, mit nicht unbedeutenden Rollen für China und Russland.
Der Vorsitzende des ASU-Regionalkreises Weser-Ems, Ekkehard Brysch (Varel), verwies darauf, dass die Unternehmerkultur des ehrbaren Kaufmannes, die nicht wenige große Krisen-Akteure hätten vermissen lassen, gerade in den Familienunternehmen des Mittelstandes eine Heimstatt habe.
