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Karriere Als Pferde-Expertin in Amerika

Karsten Krogmann

VECHTA - Pferdekauf, das geht in Nordamerika normalerweise so: Der Pferdekäufer steigt in ein Flugzeug und fliegt zum Pferdeverkäufer, meistens wohnt der ja ziemlich weit weg, in Kanada oder Kentucky oder so. Dort schaut sich der Pferdekäufer dann das Pferd an, und wenn er Glück hat, gefällt es ihm sogar.

Katja Eilers aus Litchfield/Connecticut hält das für sehr aufwendig. Sie fliegt deshalb lieber ein bisschen weiter: nach Hause.

Ein Leben mit Pferden

Da steht sie also oben in der Auktionshalle Vechta, auf ihrer Jacke pappt ein Pferdesticker, eine Sonnenbrille bändigt ihre dunklen Locken. Unten läuft gerade der Hengst „Sao Passionato“ Parcours, am Zaumzeug trägt er die Nummer „88“. „Ich schätze, dass der einen der höchsten Preise dieser Auktion erzielen wird“, sagt Katja Eilers, sie rasselt schnell ein paar Fakten herunter: Jahrgang 2009, der Vater Bundeschampion, die Mutter Vizebundeschampionesse. Sie kennt „Sao Passionato“, sie kennt alle Pferde hier: Bevor sie nach Vechta reiste, hat sie sechs Wochen lang den Katalog des Auktionsbüros studiert und die dazugehörige DVD.

Katja Eilers, geboren 1963 in Oldenburg und aufgewachsen in Bad Zwischenahn, ist Berufsreiterin. Seit 29 Jahren lebt sie in den USA, sie reitet dort Turnierpferde, unterrichtet Privatleute, berät Kunden beim Kauf von Spring- und Dressurpferden. „In Vechta“, sagt sie ihren Kunden, „schaut man sich nach dem Flug nicht nur ein Pferd an – da hat man gleich 90!“ Sechs Amerikaner hat sie diesmal mit nach Deutschland gebracht.

Auf ihrer Internet-Homepage hat Katja Eilers ihren Lebenslauf veröffentlicht, er trägt die Überschrift „Mein Leben mit Pferden“.


Mit drei Jahren fing sie an zu reiten, mit sechs Jahren nahm sie an den ersten Turnieren teil, zunächst auf einem Pony, mit 14 wechselte sie aufs Pferd. In Bad Bevensen machte sie eine Ausbildung zur Berufsreiterin, danach wollte sie ein Praktikum in Amerika machen, ein Jahr lang wollte sie bleiben. Aber die Thornbrook Farms in New York machten ihr ein Angebot, das sie nicht ausschlagen konnte: Sie boten Katja Eilers aus Bad Zwischenahn die Leitung des großen Turnierstalls an.

„So eine Karriere wäre in Deutschland nicht möglich gewesen“, sagt sie.

Aber nicht alles ist in Amerika besser: In Deutschland sind die Pferde besser ausgebildet, findet Eilers.

Sie läuft an den Boxen vorbei, vor einer bleibt sie stehen, „das ist einer meiner Lieblinge“, sagt sie. Sie streichelt den Hengst, es ist eines der Tiere, das sie bei der Auktion in Vechta gern ersteigern würde. Natürlich hat sie den Hengst ausgiebig per DVD und Katalog studiert, „aber Pferde muss man in natura erleben“, erklärt sie.

Und so funktioniert Pferdekauf in Deutschland: Katja Eilers hat sich in einem Hotel in Vechta eingemietet, jeden Tag geht sie in die Ställe und reitet ihre Favoriten.

Überwältigte Kunden

Heute hat sie Zeit, sich ein bisschen umzugucken, die Amerikaner hat sie nach Oldenburg geschickt, „zum Sightseeing“. Sie läuft in die neue Halle, „Hallo“, grüßt sie eine Dressurreiterin aus Florida, sie läuft weiter in die alte Halle, „wie geht’s?“, fragt sie einen Springreiter aus Mexiko. Katja Eilers lacht: „In Vechta treffe ich Freunde aus der ganzen Welt.“

Und sie trifft natürlich ihre Familie, bei der Elite-Auktion kann sie das Nützliche mit dem Angenehmen verbinden, nach Bad Zwischenahn ist es ja nicht weit von hier. Aber auch Vechta ist für sie Heimat: „In dieser Halle“, sagt sie, „war ich das erste Mal mit sieben oder acht Jahren.“

Die alte Halle sieht noch so aus wie damals, aber das Drumherum hat sich verändert mit den Jahren: Da ist der Rundbau mit den vielen Büros im ersten und zweiten Stock, da sind die vielen neuen Ställe, da ist der Pferdetunnel, überall hängen Flachbildschirme, damit die Käufer und Reiter immer und überall die Körungen verfolgen können. „Die Amerikaner sind zuerst total überwältigt, wenn sie das sehen“, berichtet Eilers, „und danach sind sie total begeistert.“ Ihre Kunden haben schon jetzt angekündigt, zur Herbstauktion unbedingt wieder nach Vechta fliegen zu wollen.

Muss man schreiben, dass auch Katja Eilers wieder dabei sein wird? Geheiratet hat sie nie, Kinder hat sie auch keine, „das war bei meinem Leben nicht drin“, sagt sie und lächelt. Ihre Welt seien nun mal die Tiere: Zwei Pferde besitzt sie selbst, außerdem ein Oldenburger Pony und einen Hund.

Pferde für die USA

Katja Eilers blickt etwas ungeduldig auf einen der großen Flachbildschirme, sie muss weiter: Sie will den Rest der Hengstkörung sehen. Am Sonnabend findet ja die große Auktion statt.

Wenn alles gut läuft, muss die 48-Jährige drei bis fünf weitere Plätze im Flieger von Amsterdam nach New York buchen: in speziellen Tiertransportboxen. Katja Eilers wird dann mit den Pferden fliegen, selbstverständlich hat sie eine Lufthansa-Zulassung als Pferdeflugbegleiterin.

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