• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Vegetarische Wurst erobert die Regale

11.06.2015

Bad Zwischenahn Immer mehr Verbraucher möchten weniger Fleisch essen und greifen daher zu Fleischersatzprodukten. Das ist das Fazit einer Befragung der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK/Nürnberg). Die Umsätze mit Fleischersatzprodukten hätten sich in den vergangenen fünf Jahren fast verdoppelt, so die GfK. 2014 hat danach jeder Käufer im Schnitt fast 20 Euro für diese sogenannten Veggie-Produkte ausgegeben.

Die Fleisch- und Wurstwarenbranche spürt zwar einen nennenswerten Rückgang beim Fleischkonsum der Deutschen, hat aber bisher kaum reagiert. Da traf die Branche der Vorstoß der deutschlandweit bekannten Wurstmarke Rügenwalder Mühle aus Bad Zwischenahn wie ein Keulenschlag. Ende 2014 brachte sie die ersten fleischlosen Wurstprodukte auf den Markt.

„Die erste Reaktion der Branchenvertreter war: So ein Blödsinn“, erinnert sich Godo Röben, Marketing-Geschäftsleiter bei Rügenwalder. Jetzt arbeiten schon diverse Anbieter an entsprechenden Produkten.

Bei Rügenwalder stieg der Umsatzanteil der inzwischen acht fleischlosen Produkte in kurzer Zeit auf bis zu 30 Prozent an der Gesamt-Wochenproduktion. Schon werden die Kapazitäten knapp.

Vor allem jüngere Menschen unter 40 Jahren kaufen nach der GfK-Untersuchung vermehrt Fleischersatzprodukte. „Die Handelsketten räumen derzeit ganze Regalfluchten frei für Veggie-Produkte“ hat Rügenwalder-Chef Christian Rauffus festgestellt. „Die Ernährungsgewohnheiten der Menschen wandeln sich nachhaltig.“ Nach der GfK-Studie stehen Tierwohl, die eigene Gesundheit und Nachhaltigkeit als Argumente für das „weg vom Fleisch“ ganz oben. Röben ist sich sicher: „80 Prozent der Vegetarier mögen den Wurstgeschmack, aber wollen ihn ohne Tierleid genießen.“

Rügenwalder Mühle ist zur Markteinführung seiner Fleischlos-Produkte, wie Mortadella oder Frikadellen auf Sojabasis mit vielen Gewürzen, noch ein besonderer Coup gelungen. Die Zwischenahner haben den Vegetarierbund Deutschland (VEBU) mit ins Boot holen können.

Der VEBU hat die Veggie-Entwickler bei Rügenwalder beraten und gestattet ihnen, sein Vegetarier-Label auf die Packungen zu drucken. „Damit drücken wir aus, dass wir das Unternehmen auf seinem Weg der ,kleinen Schritte’ hin zu mehr fleischfreien Produkten unterstützen“, begründet VEBU-Geschäftsführer Sebastian Zösch das Mitmachen, das dem Verband aber auch Kritik eingebracht hat. „Wir denken, dass es ein Fortschritt ist, wenn ein zuvor ausschließlich fleischverarbeitendes Unternehmen Veggie-Wurst anbietet“, so Zösch.

Bei Rügenwalder schätzt man, dass der Veggie-Anteil am deutschen Wurstmarkt schnell 20 Prozent erreichen kann. Der VEBU schätzt, dass sich die Zahl der Vegetarier in Deutschland bis 2020 auf rund 15 Millionen verdoppeln wird. Ebenfall stark vermehrt sich die Zahl der Veganer, Menschen, die ganz ohne tierische Produkte leben. Und sie sind noch jünger als Vegetarier, gern im Internet unterwegs und haben zu 60 Prozent auch vegane Partner, hat die Universität Kassel laut Ernährungsdienst aid festgestellt. Auch diese Veganer hat Rügenwalder im Visier. „Derzeit arbeiten wird noch mit tierischem Eiweiß. Das Ziel ist aber, alle Produkte demnächst vegan herzustellen“, erklärt Röben.

Vom Thema vegetarische Wurstprodukte sei man bei Rügenwalder „schier überrollt worden“, sagt der Marketing-Chef. So habe man aus dem Stand einen Marktanteil von fast 70 Prozent erreicht. Das allerdings dürfte nur eine Momentaufnahme sein. „Alle großen Produzenten werden demnächst mit fleischlosen Wurstprodukten kommen“, ist sich Rauffus sicher. „Wenn etwas funktioniert, bleibt man nicht lange allein“, bedauert der Rügenwalder-Chef.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.