Ganderkesee/Wildeshausen - Die B 213 und ich: Das ist eine lange Beziehung. Eine enge auch, schließlich verbringen wir Tag für Tag viel Zeit miteinander. In erster Linie ist die Beziehung zwar beruflich, die Straße ist mein Arbeitsweg, gleichwohl sehr gefühlsintensiv: Emotionen wie Schreck und Zorn, Stress und Ungeduld werden regelmäßig freigesetzt, hin und wieder auch eine (zugegeben) fast innige Zuneigung – wenn’s nämlich doch mal zügig voran geht.
Momentan geht es gar nicht voran – die Beziehung ist gestört: Vollsperrung wegen Fahrbahnsanierung zwischen Uhlhorn und Havekost. Schon als die Straßenbaubehörde dies Ende September ankündigte, wurde mein Verhältnis zur B 213 sogleich wieder emotional: Stresshormone durchpulsten Kopf und Körper bei den Überlegungen, wie die Baustelle am besten zu umfahren wäre. Was der Journalist nämlich am wenigsten hat, ist Zeit – schon gar nicht, um sie auf unnötig langen Fahrten zu verplempern.
So eine Kurverei
Als dann vorige Woche die offizielle Umleitungsstrecke bekanntgegeben wurde, hatte ich erneut besondere Gefühle: Unverständnis und – ja, auch – Hochmut. Wer hat sich bloß diese elende Kurverei über Horstedt und Klein Henstedt einfallen lassen? Das tu’ ich mir nicht an! Da kurv’ ich doch lieber nach eigenem Gutdünken über die Dörfer. Ich kenn’ mich schließlich aus hier! Und überhaupt: So schnell sperren die ja nicht komplett – erst mal sehen, wie weit ich noch komme.
Nicht weiter als bis vor die Absperrbaken in Uhlhorn, war am Montagmorgen die verblüffende Erkenntnis. Die sind ja doch von der schnellen Truppe, diese Straßenbauer. Und auch von der fleißigen, denn als ich nach links abbog, um über Brettorf durch den Stühe nach Ganderkesee zu kommen, stand ich nach einer Minute vor der nächsten Baustellenampel – da legen sie nämlich auch noch einen Radweg an.
Eigene Wege
Am zweiten Tag bin ich noch vor Hockensberg links abgefahren, um mir meinen Weg über noch kleinere Straßen gen Norden zu bahnen. Wieder keine gute Wahl: Geschlossene Schranken in Brettorf und ein Treckergespann in Immer haben mehrere Minuten gekostet. Und auf dieser Strecke muss ich gleich zweimal die Bahn queren – noch ein Risiko mehr, Zeit zu verlieren.
Also habe ich jetzt doch die ausgeschilderte Umleitung ausprobiert. Und schau’ an: So umständlich ist die ja gar nicht. Zuerst ein gut ausgebautes, gerades Stück Kreisstraße bis Horstedt (einstigen Mülldeponieplanungen sei Dank), danach ging’s zwar im Schneckentempo hinter einer Lkw-Kolonne her bis Havekost – aber dafür blieb reichlich Muße, um den Blick ins herbstlich-idyllische Delmetal zu genießen. Zeit ist eben doch nicht alles.
Fazit (und Asche auf mein Haupt): Die Umleitung funktioniert besser als gedacht. Es sind ja nur sechs Kilometer mehr als geradeaus über die Bundesstraße. Und der Zeitverlust – acht Minuten länger als sonst war ich unterwegs – wiegt nicht schwerer als auf meinen eigenen verschlungenen Wegen. Alles halb so schlimm mit der Juckelei.
Nächste Baustelle
Ach, und ein Tipp noch, liebe Straßenbauer: An der Kreisstraße zwischen Horstedt und Sethe – die reinste Buckelpiste – müsst Ihr unbedingt was machen. Aber bitte erst, wenn die B 213 fertig ist!
