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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Miss-Wahl: Kühe auf dem roten Teppich

28.02.2020

Verden Kürzlich hat eine 35-jährige Unternehmerin die Wahl zur „Miss Germany“ gewonnen und ist damit die älteste Gewinnerin in der Geschichte des Wettbewerbs. Doch wenn Nutztiere auf den roten Teppich treten, geht es weniger um „Personality“ und mehr um Äußerlichkeiten und Effizienz. Bei der Miss „Schau der Besten“, nach Veranstalterangaben der größte Schönheitswettbewerb für Milchkühe in Niedersachsen, wird das deutlich.

„Das ist eine Kuh mit einem unglaublichen Euter“, ruft Preisrichter Marc-Henri Guillaume ins Mikrofon. Der Schweizer ist heute der Herr über Sieg oder Niederlage – am Ende wird er eine von über 200 Kandidatinnen zur Kuh des Jahres prämieren. Die Euter sind ein wichtiges Kriterium: Prall müssen sie sein, die Adern sollen möglichst dick sein. Und hoch hängen müssen sie – damit die Melkmaschine besser rankommt. Aber auch andere Schönheitsmerkmale nimmt Guillaume in den Blick: „Ein wunderschönes Becken“, „tolle Rippen“ oder eine „super Aufhängung“, also die Platzierung des Euters zwischen den Beinen, lobt der Richter.

Die Tiere staksen in der Vorrunde breitbeinig durch den aufgeschütteten Sand in der Niedersachsenhalle in Verden, die eingeölten Euter reiben an den Oberschenkeln und glänzen im Scheinwerferlicht. Einige Kühe sind nervös und bocken, aus den Boxen ertönt dramatische Musik, bunte Lichter blitzen durch die voll besetzte Halle. „Eine Miss-Wahl von Kühen mag ja für das Publikum reizvoll sein. Für die Tiere ist dies jedoch mit großem Stress verbunden“, sagt Jasmin Zöllmer, Referentin für Agrarpolitik beim Tierschutzverein Prohvieh.

Problematisch sei vor allem die Fokussierung auf die Hochleistungszucht bei den präsentierten Holstein-Rindern. Ähnlich sieht das auch der Vorsitzende des niedersächsischen Landestierschutzbundes, Dieter Ruhnke: „Gewinnmaximierung ist in der Tierzucht oberstes Ziel. Ergebnis sind rekordverdächtige und unphysiologisch hohe Leistungen, die allzu oft erhebliche Leiden für die Tiere mit sich bringen.“ Ist es also Zeit, auch für Zuchtrinder neue Schönheitsideale anzusetzen?

„Bei den Kühen hier geht es ja nicht nur um Leistung“, sagt Ralf Strassemeyer, Geschäftsführer der Zuchtorganisation Masterrind, die die „Schau der Besten“ organisiert. Auch die Robustheit der Tiere oder Gesundheitsmerkmale wie die Beweglichkeit der Tiere würden bewertet.

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Und immerhin am Rande geht es Preisrichter Guillaume auch um die inneren Werte: Er lobt die Tiere für ihren „tollen Charakter“ und ihre Ruhe. Nach Angaben von Strassemeyer sind das Schönheitsideale, die sich auch im 47. Jahr der „Schau der Besten“ kaum verändert haben. Auch in Zukunft ist eine Abkehr vom Leistungsgedanken in der Zucht nicht zu erwarten, wie die niedersächsische Landwirtschaftskammer mitteilt.

In der Niedersachsenhalle wird einer der Höhepunkte des Tages angekündigt: In der „Lebensleistungsklasse“ treten Kühe an, die in ihrem Leben mehr als 70 000 Liter Milch produziert haben. „Hannah – 103 825 Liter, Algenblume – 114 381 Liter, Lotos – 145 206 Liter“, erscheint auf dem Bildschirm, während die Tiere unter lautem Applaus einlaufen. Natürlich gehe es auch um Effizienz, sagt Strassemeyer. Damit schone die Branche immerhin auch Ressourcen. Seine Rechnung: Je mehr eine Kuh leisten kann, desto weniger Kühe müssen gehalten werden.

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