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Präsidentin der Uni Vechta im Musik-Quiz Zum Duell, Frau Pietzner!

York Schaefer

Vechta - Ein paar Sekunden genauen Hinhörens nur braucht Verena Pietzner, dann gewinnt sie ihren ersten Punkt. Und sie legt gleich nach: Nach der Abba-Schnulze „Thank You for the Music“ zum Auftakt erkennt sie auch den Nirvana-Klassiker „Smells Like Teen Spirit“, kaum dass die ersten ruppigen Akkorde durch die Boombox scheppern, die in Form eines Gitarrenverstärkers im Miniaturformat auf dem Tisch steht. Ich bin beschämt – diese Hymne über jugendliche Aussichtslosigkeit und verlorene Unschuld hätte ich sofort erkennen müssen. 2:0 für die neue Präsidentin der Universität Vechta im Musikquiz-Duell. Wer Song und Titel am schnellsten errät, bekommt den Punkt.

Die Porträtreihe „Zum Duell“

Sein wahres Ich zeigt der Mensch eher im Wettkampf als bei einer Tasse Tee. Für diese Porträtserie fordern wir daher alle zwei Monate bekannte Personen aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Verwaltung im Nordwesten heraus. Die Disziplin bestimmt dabei der Interviewpartner. Unter anderem haben wir gegen Oldenburgs Oberbürgermeister Jürgen Krogmann Fußball gespielt und uns mit EWE-Chef Stefan Dohler ein Kartbahnrennen geliefert.

Seit Januar ist Professorin Pietzner im Amt. Zuvor war sie seit 2014 Hochschullehrerin für Chemie-Didaktik, ab 2020 Vizepräsidentin für Studium, Lehre und Internationales an der Universität Oldenburg. Aufgewachsen ist die 49-jährige Mutter eines zwölfjährigen Sohnes in der Nähe von Bielefeld. Als Heranwachsende hat sie die „klassische musikalische Früherziehung mit Blockflötenunterricht genoßen“, wie sie erzählt, dann lange im Oratorienchor gesungen und später Heimorgel und klassische Gitarre gelernt.

Musik und Tanz liegen ihr. Aber von wem ist „Give Peace a Chance“?

Viel Musik also schon im Elternhaus, da lag es nah, dass sie ein Musikquiz wählte, als wir sie zum Duell herausforderten. Zumal das von ihr ebenfalls favorisierte Tanzduell aufgrund von Corona immer noch nicht in Frage kam. Dementsprechend legt Verena Pietzner schnell vor. Die „Ode an die Freude“ zum Beispiel erkenne zwar auch ich, kann sie aber nicht Ludwig van Beethoven zuordnen. Zwischenstand: 4:1 für die Präsidentin.

Dafür sieht es beim nächsten Song besser aus für mich: „Give Peace a Chance“ stammt aus der Hippie-Ära, ist aber von zeitloser Relevanz und aktuell von geopolitischer Dringlichkeit. Verena Pietzner ruft Beatles und liegt knapp daneben. John Lennon und Yoko Ono sangen die Friedenshymne 1969 bei einer ihrer berühmten „Bed ins“ in einem Hotelbett in Montreal. 2:4. Und jetzt lege ich nach. Queen und die Filmmusik zu „Zwei glorreiche Halunken“ von Ennio Morricone gehen ebenfalls an mich, 4:4.

Die Uni Vechta sei ein Juwel, sagt Pietzner. Sie muss es nun schleifen

Mit 4600 Studierenden und 500 Beschäftigten in Wissenschaft, Technik und Verwaltung ist die Uni Vechta eine der kleinsten in Deutschland. Die Schwerpunkte liegen in der Ausbildung von Lehrkräften, im Bereich Soziale Dienstleistungen sowie bei der Agrar- und Ernährungswirtschaft.

Volle Konzentration: Verena Pietzner und York Schaefer an der Boombox. Bild: Torsten von Reeken

Volle Konzentration: Verena Pietzner und York Schaefer an der Boombox. Bild: Torsten von Reeken

Drei Fakultäten gibt es inzwischen. „Die Uni Vechta hat tolle Juwelen, die man aber sichtbarer machen muss“, meint Verena Pietzner. Mit ihren Karrierestationen etwa in Paderborn, Braunschweig, Konstanz und Hildesheim kennt sie die Strukturen an kleineren oder mittelgroßen Universitäten. Schon während ihrer Zeit als Vizepräsidentin in Oldenburg trug sie Führungsverantwortung. „Verantwortung im Management zu übernehmen und eine Uni voranzubringen, hat mir sehr viel Spaß gemacht“, sagt die ausgebildete Chemie- und Mathematiklehrerin.


Pietzners Botschaft an die Agrarregion: Wachstum ist kein Selbstzweck

Vor allem die Gestaltung von Transformationsprozessen für den ländlichen Raum ist ihr ein wichtiges Anliegen für ihre fünfjährige Amtszeit als Präsidentin. „Die Universität Vechta hat mit ihrer besonderen Lage in einem agrarischen Intensivgebiet besondere Forschungsmöglichkeiten“, sagt die Professorin. Wie verändert sich solch eine Region vor dem Hintergrund des demografischen Wandels, welche historischen Entwicklungen hat sie erfahren und welche Chancen bieten sich durch die Digitalisierung? Fragen, auf die man in Vechta unter anderem durch vier neue Stiftungsprofessuren und Zusammenschlüsse zwischen Universitäten sowie mit Politik und Wirtschaft Antworten sucht, die dann in die Lehre einfließen sollen.

Rock und Pop im Galopp

Diese Titel mussten die Duellanten erkennen:

Abba Thank you for the Music

Nirvana Smells like Teen Spirit

Dave Brubeck Take Five

Ludwig van Beethoven Ode an die Freude

John Lennon Give Peace a Chance

Queen Don’t stop me now

Ennio Morricone The Good, the Bad and the Ugly (Zwei glorreiche Halunken)

The Weeknd Save Your Tears

Air Sexy Boy

Led Zeppelin Whole lotta love

Herbert Grönemeyer Männer

The Smiths Bigmouth

Carl Orff O Cortuna / Carmina Burana

Pharrell Williams Happy

Bill Medley & Jennifer Warnes The Time of my Life

Toto Africa

Wir sind Helden Denkmal

Jimmy Hendrix All along the Watchtower

Fettes Brot Nordisch by Nature

Klar ist für Verena Pietzner, dass die Grenzen des Wachstums in der Region längst erreicht sind. „Man kann nicht immer weiter wachsen, das würde große ökologische Probleme mit sich bringen“, betont sie. Bei einem Forschungsprojekt, an dem sie beteiligt war, wurde jüngst festgestellt, wie belastet zum Beispiel viele Gewässer bereits sind.

Nachhaltige Geschäftsmodelle entwickeln: Dabei will die Uni helfen

„Aber es gibt das Bestreben, dieses Gebiet nachhaltiger weiterzuentwickeln. Dafür liefern wir den wissenschaftlichen Hintergrund und die Methoden, um Zukunftsmodelle zu entwickeln und in der Praxis zu erproben“, erklärt Pietzner. Exemplarisch nennt sie einen großen Schweinemastbetrieb, der mit sinkenden Umsätzen rechnet und seine überschüssigen Flächen anders nutzen will. Zum Beispiel durch nachhaltigere Insektenzucht als Futter- und Nahrungsmittel. Dafür wird etwa das Marktumfeld untersucht und die Frage, wie man neue Lieferketten erschließen kann.

Widerstände aus der im Oldenburger Münsterland traditionell einflussreichen Agrarindustrie sieht Pietzner nicht. „Ich nehme durchaus einen Veränderungswillen wahr, weil alle wissen, dass sie sich verändern müssen, um wirtschaftlich bestehen zu können“, betont die Präsidentin.

Sie ist ehrgeizig. Aber sie kann Kompromisse schließen

Zurück zu unserem Duell. Bei aktuellem Pop des kanadischen Sängers The Weeknd punktet Verena Pietzner, anschließend verwechsele ich Air mit Daft Punk – immerhin beides französische Electronica-Duos. Wir gehen beide leer aus. Dass Verena Pietzner hier nicht unbedingt gewinnen muss, das merkt man. Schon beim dritten Song, Dave Brubeck’s Jazzklassiker „Take Five“, hatten wir uns auf Unentschieden geeinigt. Die Professorin wusste den Titel, ich den Musiker. Teamfähigkeit und Kompromissbereitschaft dürften Eigenschaften sein, die gerade im universitären Umfeld mit vielen verschiedenen Interessen gefragt sind.

Nach Vechta kommen viele Studierende aus der Umgebung. Wer ein urbanes Flair sucht, wählt andere Städte. Wobei die Wege in die Stadt im Dreieck zwischen Osnabrück, Oldenburg und Bremen nicht weit sind. Zudem locken in Vechta günstige Mietpreise und viel Natur im direkten Umfeld. „Man weint, wenn man als Studierender nach Vechta muss, und man weint, wenn man wieder weg muss“, soll ein Asta-Vorsitzender der Uni gesagt haben.

Ihr Blick geht weit über den Tellerrand. Warum nicht von Japan lernen?

Trotz des beschaulichen Umfelds ist die Internationalisierung eines der großen Querschnittsthemen in Vechta. Verena Pietzner will auch das Lehramt internationaler ausrichten und schaut mit dem Blick nach Japan gleich weit über den Tellerrand. Seit 2008 war sie dank ihres Mannes, der dort zwei Jahre als Postdoc gearbeitet hat, fast jedes Jahr in Japan. „Welche Prinzipien werden dort im Unterricht angewendet?“, fragt sie. Pietzner würde gern eine Sandbox in Vechta bilden, um didaktische Prinzipien aus Japan zu lernen. Geht nicht, gibt es bei ihr nicht. „In anderen Ländern geht es ja auch“, sagt die Musikliebhaberin.

Der Rhythmus geht ins Blut: Pietzner und Schaefer beim Musikduell. Bild: Torsten von Reeken.

Der Rhythmus geht ins Blut: Pietzner und Schaefer beim Musikduell. Bild: Torsten von Reeken.

Bei unserem Duell mache ich mit Led Zeppelins „Whole lotta love“ meinen vorerst letzten Punkt. Herbert Grönemeyer geht an Verena Pietzner, The Smiths erkenne ich, aber nicht den Titel. Die bald 100 Jahre alte Kantate „Carmina Burana“ von Carl Orff erkennt sie ebenso wie den Pophit „Happy“ von Pharrell Williams und „Africa“ von Toto. Ein klarer Vorsprung, den ich zum Ende aber noch fast egalisiere. Mit Wir sind Helden, Hendrix und Fettes Brot mache ich drei Punkte hintereinander. Endstand 9:7 für Verena Pietzner. Ein verdienter Sieg. Sie ist dann eben doch fixer.

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