Elsfleth - Der Verbraucher hat die Qual der Wahl: Volle Regale in den Supermärkten bis zum Ladenschluss; Backwaren, die stündlich frisch hergestellt werden sowie Obst- und Gemüsesorten aller Art, die knackig und makellos im Angebot sind, verführen regelrecht zum Kauf.
Doch ist das nicht alles zu viel des Guten? Müssen die Verbraucher nicht endlich lernen, Maß zu halten, um auf diese Weise auch Ressourcen und die Umwelt zu schonen? Einen bemerkenswerten und höchst interessanten Vortrag zum Thema „Lebensmittel auf dem Müll – muss das sein? hielt dazu die Ernährungswissenschaftlerin Gudrun Göppert beim Landfrauenverein Elsfleth im evangelischen Gemeindehaus an der Oberrege.
Die etwa 30 Zuhörerinnen konnten es kaum fassen: Rund elf Millionen Tonnen an Lebensmitteln landen jedes Jahr in Deutschland auf dem Müll. Nach einer Studie der Universität Stuttgart liegt der Anteil der Haushalte bei 61 Prozent. „47 Prozent dieser Abfälle sind vermeidbar“, betonte Gudrun Göppert von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Gemüse (26 Prozent), Obst (18) und Backwaren (15) seien die Nahrungsmittel, die mit Abstand am häufigsten im Müll landen würden. Milchprodukte (8) und Getränke (7) sowie Fleisch und Fisch (6) würden von den Verbrauchern seltener weggeworfen.
Nach den Worten von Gudrun Göppert sind mehr Lebensmittel im Umlauf, als die Menschen essen können. Und das Einkaufsverhalten der Konsumenten sei zudem kaum kalkulierbar. Wenn der Kunde nicht kaufen würde, bliebe der Handel auf seinen Waren sitzen. „Radieschen sind nur einen Tag in der Auslage, bei Bananen kauft der Kunde nach der Optik“, merkte sie an. „Wir müssen etwas tun, damit weniger im Müll landet“, riet die Diplom-Ökotrophologin zu einem Umdenken.
Eine Möglichkeit, weniger Müll zu produzieren, ist eine Orientierung am tatsächlichen Bedarf. Die Portionen von Fertiggerichten und von anderen Produkten seien häufig zu groß bemessen, sie müssten verbraucherfreundlicher abgepackt und auch auf ein- bis zwei Personenhaushalte ausgerichtet werden, so Gudrun Göppert. 21 Prozent von jedem Einkauf würden weggeworfen, sagte sie. Das seien 6,7 Millionen Tonnen jährlich. Auch sollte es die Regel sein, Essensreste aus Restaurants mit nach Hause nehmen zu dürfen. Oft genug könnte daraus noch einmal eine komplette Mahlzeit zubereitet werden. Und mehr Lebensmittel an karitative Einrichtungen weiterzureichen, wäre ebenfalls wünschenswert, sagte sie.
