Westerstede - Im frischen Glanz erstrahlt zurzeit das Draisinenhäuschen in Westerstede. Die Ehrenamtlichen nutzen das schöne Herbstwetter zu Renovierungsarbeiten. Mehr als 11 300 Gäste wurden in der zurückliegenden Saison gezählt, bedingt durch das kalte Frühjahr knapp 800 weniger als im Vorjahr. Trotzdem sind die Verantwortlichen zufrieden. „Am Wetter kann man nichts ändern. Und der Werbeeffekt für Westerstede durch die Draisinen ist riesengroß. Es kommen immer mehr Gruppen, nicht nur Vereine, auch Schulen, um Ausflüge mit der Draisine zu unternehmen“, erzählt Vorsitzender Hermann Börjes von der Draisinenspaß GmbH Westerstede.
So gar nicht glücklich ist er deshalb über Bestrebungen, die Bahnstrecke Westerstede-Ocholt eventuell wieder zu reaktivieren. Die Schienen seien für schwere Waggons gar nicht mehr geeignet und müssten erst wieder mit großem Aufwand hergerichtet werden, glauben Börjes und seine Mitstreiter. „Ich habe auch schon von Strecken gehört, die von Güterverkehr und Draisinen gemeinsam genutzt werden, aber unsere Gäste verlangen natürlich ein hohes Maß an Sicherheit.“ Auf den erfolgreichen Draisinenverkehr verzichten wolle niemand mehr. Börjes: „Wir gehen davon aus, dass die Draisinen noch viele Jahre in Westerstede verkehren werden.“
Wie berichtet, prüft die niedersächsische Landesregierung seit Monaten die Reaktivierung von zunächst 73 stillgelegten Verbindungen, darunter Westerstede-Ocholt. Inzwischen blieben 28 Strecken übrig. Von denen sollen am Ende sechs für den Öffentlichen Personennahverkehr hergerichtet werden – mit einem Aufwand in vermutlich mehrstelliger Millionenhöhe. 75 Prozent der Kosten trägt das Land, der Rest bliebe bei den Kommunen.
In Westerstede verfügt man allerdings auch mittelfristig nicht über Summen dieser Größenordnung. Bürgermeister Klaus Groß erklärte dazu am Donnerstag, die Pläne des Landes seien sicherlich wünschenswert, aber aus Westersteder Sicht finanziell nicht umsetzbar. „So attraktiv die Anbindung unserer Stadt an den Personenzugverkehr auch wäre: Das Finanzvolumen würde unsere Möglichkeiten weit übersteigen.“
Dagegen ist der Westersteder FDP-Stadtverband geradezu euphorisch. FDP-Vorsitzender Egon Harms sieht die S-Bahn-Züge vor seinem geistigen Auge bereits rollen.
