Der Europäische Gerichtshof hat am Mittwoch entschieden, dass die deutsche Preisbindung für rezeptpflichtige Medikamente gegen EU-Recht verstößt. Die NWZ hat mit den Ganderkeseer Apothekern Peter Bertram und Thomas Beck über das Urteil gesprochen.
Was halten Sie von der Entscheidung?
BeckIch sehe die Existenz der Apotheken, gerade der kleineren, bedroht. Die Internetapotheken können viel größere Mengen einkaufen, da können wir nicht mithalten. Apothekern geht es heute schon nicht gut. Sie haben früher viel verdient, heute bekommt ein Handwerker wohl mehr.
Bertram Die heutige Entscheidung stellt vermutlich den größten Einschnitt im Apothekenmarkt dar. Das ohnehin stattfindende Apothekensterben wird sich massiv beschleunigen. Auch wenn es immer keiner glauben mag, vielen deutschen Apotheken geht es betriebswirtschaftlich nicht gut. Gerade in ländlichen Regionen wird die flächendeckende Arzneimittelversorgung schwierig werden.
Können Sie das näher beschreiben?
BertramHeute schon fahren Kunden 30 bis 40 Minuten, um im Notdienst ein dringend benötigtes Arzneimittel zu bekommen. Gerade kleine Apotheken werden mit Rabatten auf verschreibungspflichtige Arzneimittel nicht mithalten können, Kunden verlieren und schließen.
Welche Auswirkungen hat das Urteil für die Kunden?
BertramZunächst einmal ist die Entscheidung für den Kunden positiv. Er kann sein Arzneimittel jetzt günstiger bekommen. Auf den zweiten Blick wird es für den Kunden aber gerade in Notsituationen nicht mehr so einfach sein, Arzneimittel zu bekommen. Durch die Rabatte und die Ertragsverluste wird es sicher auch zu einer Reduktion des Personals und somit neben Kündigungen auch zu einer schlechteren Betreuung der Kunden kommen. Es verlieren nicht nur die Apotheker, sondern auch die Kunden.
BeckNicht nur das Apothekensterben wird den Kunden belasten, wenn er schnell Hilfe braucht, es ist auch nicht ungefährlich, Arzneimittel im Internet zu bestellen. So waren zeitweise bis zu 80 Prozent der Verhütungspillen Fälschungen.
