NWZ
berichtete). „Bei der Friesenenergie handelt es sich also quasi um die Enkeltochter der Gemeinde“, sagte am Donnerstag sichtlich gut gelaunt Gitta Heitmann, die künftig neben ihrer Aufgabe als Allgemeine Stellvertreterin des Bürgermeisters auch Geschäftsführerin der Friesenenergie GmbH ist. Zweiter Geschäftsführer ist Gemeindekämmerer Manfred Meinen.Mit der Gründung der Gesellschaft verfolgt die Gemeinde gleich mehrere Ziele. Sie will Heitmann zufolge als unabhängiger Energieversorger auf dem Markt auftreten und nicht nur regional, sondern bundesweit aktiv werden. Sie will Strom aus erneuerbaren Energien fördern. Und sie will Geld erwirtschaften, das letztendlich auch der hoch defizitären Gemeinde zugute kommen.
„Mit ihren kommunalen Wurzeln garantiert die Gesellschaft, dass die Wertschöpfung, die sich aus dem Betrieb ergibt, in der Region bleibt“, so Heitmann. Auch soziale und gemeinnützige Institutionen und Projekte in der Region sollen unterstützt
werden.
Ein Alleinstellungsmerkmal sei der Energie-Mix: 60 Prozent des Stroms werden mit heimischen Windkraftanlagen erzeugt, 40 Prozent werden über Wasserstrom-Zertifikate dazugekauft. Die Preise seien im Markt konkurrenzfähig, betonten Heitmann und Meinen. Das Tarifmarketing hat Lokalkolorit. Es gibt drei Tarife: den Hauhaltstarif „to Huus“, den Gewerbetarif „bi de Arbeid“ und den Landwirtschaftstarif „upt Land“. Auch das Logo der Gesellschaft hat lokalen Bezug. Es wurde nicht nur von dem Wangerländer Grafiker Andreas Reiberg entworfen, sondern zeigt auch die Meerjungfrau Seewiefken, die auch das Gemeindewappen ziert.
Seinen Sitz hat die Friesenenergie im Rathaus, wo Mitarbeiterin Christina Geerdes als Ansprechpartnerin zur Verfügung steht. Als Anlaufstellen dienen aber auch die Tourist-Informationen der Wangerland Touristik in Horumersiel, Hooksiel und Minsen. Als Dienstleister steht der Gesellschaft die Firma Xool GmbH zur Seite.
Geliefert werden soll der Strom ab dem 1. September zunächst in den Postleitzahl-gebieten 26 und 27. Zügig soll der Stromhandel aber auf ganz Deutschland ausgeweitet werden. Die Friesenenergie hat dabei nicht nur umweltbewusste Abnehmer, sondern auch mit Friesland verbundene Urlauber im Blick.
„Hier wird ein neues Kapitel in der Gemeindegeschichte aufgeschlagen“, sagte Wangerlands Bürgermeister Harald Hinrichs, der für die Präsentation des Projekts seinen Urlaub unterbrochen hatte. Das Projekt könne nur mit starken Partnern verwirklicht werden.
Hinrichs bedankte sich insbesondere beim Gemeinderat, der die entsprechenden Beschlüsse mit großer Zustimmung gefasst habe.
Die Gründung der Friesenenergie GmbH ist nur ein Baustein der Energiepolitik im Wangerland. Wie berichtet, werden die Gemeindewerke Wangerland GmbH die Rekommunalisierung des Strom- und möglicherweise auch des Gasnetzes prüfen. Die Verwaltungsgesellschaft Windenergie Wangerland GmbH treibt die Ertüchtigung bestehender Windkraftanlagen voran und bereitet die Gründung eines genossenschaftlichen Bürgerwindparks vor. Die Friesenenergie als jüngstes Kind kümmert sich nun um den Vertrieb von Ökostrom.
