Von Klaus-Peter Jordan
Frage:
Der milde Winter hat die Rinder, Schafe und Ziegen befallende Blauzungenkrankheit nicht wie erhofft gestoppt. Wird der Impfstoff, der jetzt getestet wird, dies schaffen?Heilkenbrinker:
Um das Geschehen dauerhaft zu bekämpfen, muss die serotypspezifische Impfung in Verbindung mit konsequenten Sperrmaßnahmen als Methode der Wahl zur Beeinflussung der Erregerreservoirs angesehen werden. Mit dem bald zur Verfügung stehenden Impfstoff sollen die klinischen Erscheinungen und somit die Verluste für den Tierhalter reduziert werden. Die Ausbreitung des Blauzungenvirus wird nicht gänzlich verhindert, aber verlangsamt.Frage:
Welche Risiken birgt die Impfung?Heilkenbrinker:
Jede Impfung birgt für den Impfling ein gewisses Restrisiko, was mit seiner Konstitution zum Zeitpunkt der Impfung zusammenhängt. Der neu entwickelte Impfstoff wird ein i.d.R. gut verträglicher Totimpfstoff sein, der die vom Lebendimpfstoff bekannten Risiken minimiert. Da sich der Impfstoff noch in der klinischen Erprobung befindet, wird seine tatsächliche klinische Verträglichkeit abzuwarten sein. Auch ist nicht abschießend geklärt, wie gesunde und geimpfte Tiere seuchenhygienisch eingestuft werden. Beim Verkauf von Zuchttieren könnten Handelshemmnisse entstehen.Frage:
2007 gab es in Deutschland gut 20 000 Fälle der Seuche, in diesem Jahr bereits über 1000 – die meisten in Niedersachsen. Warum ist Niedersachsen überproportional betroffen?Heilkenbrinker:
Das durch Stechmücken von Nordrhein-Westfalen weiter getragene Blauzungen-Geschehen erreichte Niedersachsen 2007 erst zeitlich verzögert. Eine überproportionale Betroffenheit Niedersachsens 2008 liegt laut Bundeslandwirtschaftsministerium nicht vor.Bei den Impftests gegen die Blauzungenkrankheit muss die Verträglichkeit abgewartet werden, sagt Dr. Thomas Heilkenbrinker, Leiter des Tiergesundheitsdienstes der Landwirtschaftskammer Niedersachsen.
