Oldenburg - Der Oldenburger Taxi-Markt steht vor gravierenden Veränderungen: Die Stadt will die Zahl der Taxi-Konzessionen deutlich erhöhen – und verstärkt damit den Konkurrenzdruck in der Branche. Bei ihrem Vorhaben stützt sich die Verwaltung auf die Empfehlungen eines Gutachterbüros, das die betriebswirtschaftliche Situation des Gewerbes untersucht hat.
Aktuell hat die Stadt 114 Konzessionen für Taxis vergeben. Auf einer Warteliste stehen Anfragen für weitere 67 Konzessionen. Nach NWZ-Informationen hoffen einige Antragsteller bereits seit mehr als 20 Jahren auf eine Zusage. Zudem fahren 56 Mietwagen im Stadtgebiet. Im Gegensatz zu den Taxis sind die Zulassungen der Mietwagen nicht limitiert.
Das vor einem Jahr beim Büro Linne & Krause aus Wedel bei Hamburg in Auftrag gegebene Gutachten liegt zwar noch nicht in der Endfassung vor, die Verwaltung teilte am Montagabend im Verkehrsausschuss aber mit, die Empfehlungen umsetzen zu wollen. Zum einen sollen sechs zusätzliche Taxi-Konzessionen vergeben werden. Zum anderen wird den Mietwagen-Unternehmen angeboten, ihre Zulassung in eine Taxi-Konzession umzuwandeln. Aus Sicht der Gutachter verträgt der Oldenburger Taximarkt diesen Zuwachs.
Berufsfreiheit
Bei Abwägung aller Belange sei jetzt der richtige Zeitpunkt, meinte Verkehrsamtsleiter Bernd Müller. „Wir müssen schauen, dass der Markt durch zusätzliche Konzessionen nicht in eine Schieflage gerät. Gleichzeitig darf die Berufsfreiheit aber nicht eingeschränkt werden.“ Die Verdienstmöglichkeiten in der Branche seien ohnehin nicht allzu groß.
Das Mietwagen-Unternehmen Hatscher hat bereits beantragt, 16 seiner Wagen künftig als Taxen fahren zu lassen. „Die steuerlichen Nachteile machen es zunehmend schwierig, das Mietwagen-Angebot erfolgreich am Markt zu platzieren“, sagt Betriebsleiter Remmer Witte mit Blick auf Steuersituation.
Taxen werden gegenüber Mietwagen in Deutschland bessergestellt, weil sie als Teil des öffentlichen Nahverkehrs gelten. Während ein Taxi-Unternehmen nur sieben Prozent Mehrwertsteuer abführt, müssen Rechnungen von Mietwagen-Unternehmen stets mit 19 Prozent versteuert werden. Weitere Unterschiede: Mietwagen muss man per Telefon bestellen, weil es für sie keine Halteplätze gibt. Mietwagen-Firmen sind nicht in die Tarifpflicht eingebunden und können daher andere Fahrpreise anbieten.
Branche skeptisch
In der Taxi-Branche (elf Unternehmen bzw. Zentralen) wird das Vorhaben der Verwaltung skeptisch beurteilt. So bezweifeln die Unternehmer Henning Hartung und Axel Siemenroth, dass eine Stadt von der Größe Oldenburgs noch mehr Taxis benötigt. Ein großes Problem sehen sie in der zu geringen Anzahl von Plätzen an den insgesamt 30 Taxiständen in der Stadt. Hartung: „Es gibt keine 100 Stellplätze für vielleicht bald 170 Taxis. An einigen Tagen wird es Chaos geben.“
