Ganderkesee - Fußballer vom Regionalligisten VfB Oldenburg werden sich künftig in Ganderkesee die Klinke in die Hand geben. Denn ihr Mannschaftsarzt praktiziert hier ab 1. April: Dr. Sebastian Kowsky steigt ins Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) an der Grüppenbührener Straße ein und ersetzt in der Praxis für Chirurgie, Orthopädie und Anästhesie Dr. Rainer Brockmeyer, der nach 23-jähriger Tätigkeit in Ganderkesee in den Ruhestand geht.
Nicht so ganz allerdings: Der 64-Jährige gibt seine Kassenzulassung ab, wird aber noch hier und da aushelfen in der Praxis – auch um seinen Nachfolger einzuarbeiten. „Ich werde es aber ruhiger angehen lassen“, kündigt Brockmeyer an, der 1994 seine Chirurgie-Praxis an der Bergedorfer Straße eröffnete und im vergangenen Jahr die Praxisgemeinschaft mit Dr. Ralph Wallinger und Dr. Olaf Reiners im neuen Ärztehaus an der Grüppenbührener Straße begründete.
Der Rückzug aus der täglichen Arbeit ermöglicht ihm, andere Dinge zu tun, für die bisher keine Zeit blieb. Studieren zum Beispiel: „Philosophie und Kunstgeschichte interessieren mich besonders“, sagt der Ganderkeseer, der außerdem weiter ehrenamtlich den Qualitätszirkel der Chirurgen in der Region moderieren wird.
Sein Nachfolger ist froh, dass Brockmeyer ihm in den nächsten Wochen noch zur Seite steht. „Von einem alten Hasen kann man immer noch ein paar Kniffe lernen“, weiß Sebastian Kowsky, der aber mit seinen 37 Jahren selbst schon über eine Menge Erfahrung verfügt. Zuletzt war er im Klinikum Oldenburg als Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie beschäftigt. Und an den Wochenenden sitzt er – zumindest bei Heimspielen – mit auf der Bank des VfB Oldenburg. Die Spieler wird er künftig auch in Ganderkesee behandeln.
Dr. Ralph Wallinger, ärztlicher Leiter des MVZ, freut sich über die reibungslose und qualifizierte Nachfolgelösung: „Das ist nicht mehr selbstverständlich in chirurgischen Praxen“, betont er. Das habe weniger mit der Lage auf dem Lande zu tun, sondern mit der Ausbildung: Junge Chirurgen würden sich heute früh spezialisieren und hätten dann kein großes Interesse mehr an der Allgemeinchirurgie.
Dabei bietet das moderne MVZ in Ganderkesee beste Voraussetzungen – medizinisch wie auch kollegial. Sebastian Kowsky zum Beispiel weiß es sehr zu schätzen, dass er dort künftig nicht mehr – wie im Klinikum üblich – zu Nacht- und Notdiensten aus dem Bett geklingelt wird.
