Grüppenbühren - „Seit 115 Jahren ist der Hof in Familienbesitz“, beginnt Harm Alfs von dem Leben auf seinem Hof zu erzählen. Gemeinsam mit seiner Frau Inge betreibt der gebürtige Grüppenbührer das landwirtschaftliche Anwesen in bereits vierter Generation. „Aber nur noch im Nebenerwerb. Alles andere lohnt sich nicht“, fügt Inge Alfs hinzu, „Das hier ist mehr ein Hobby, leben können wir davon nicht.“
Seit 1983 ist der Betrieb in den Händen von Inge und Harm Alfs. „Als wir angefangen haben, hatten wir 30 Milchkühe und rund 35 Hektar Land“, erinnert sich Harm Alfs. Mittlerweile habe man den Betrieb in seiner Größe verdreifacht, führt er aus. So seien inzwischen 70 Milchkühe, einige Mastbullen und rund 75 Hektar Ackerfläche zu versorgen. „Nicht zu vergessen, die Pferde, Ziegen, Schafe und 100 Kaninchen – und 180 Meerschweinchen“, lacht er, „Aber diese kleinen Tiere sind mehr das Hobby meiner Frau.“
Früh zum Melken
Bevor der gelernte Schreiner sich morgens auf den Weg zu seiner Tätigkeit als Dockmeister in einer Werft in Lemwerder aufmacht, führt ihn sein erster Arbeitsweg jedoch in den nahen Kuhstall. „Ab 4.15 Uhr bin ich morgens beim Melken“, erläutert er, „und abends wird es oft 22 Uhr, bis ich mit der Hofarbeit fertig bin.“ Unterstützung in der Großtierpflege erhält er dabei von seinem 85-jährigen Vater, der die Bullen versorgt sowie von einem gelernten Melker. „Die Feldarbeit übernimmt zu weiten Teilen ein Lohnunternehmer und mein Bruder unterstützt uns in der Maschinenpflege“, ist Alfs über die Hilfen erleichtert.
„Meine Eltern konnten von den wirtschaftlichen Erträgen, die der Hof abgeworfen hat, früher gut leben, aber heute wird es zunehmend schwieriger“, fährt er fort. Insbesondere die gesunkenen Milchpreise seien es, die eine ausschließliche wirtschaftliche Existenz mit der Milchviehhaltung unmöglich mache, so der Nebenberufslandwirt. „Es ist viel Arbeit, aber kaum Ertrag“, fasst Inge Alfs die aktuelle wirtschaftliche Situation zusammen. Zudem gebe es aufgrund der zunehmend schneller kündbaren Verträge für die gepachteten Ackerflächen auch keine ausreichende Planungssicherheit, um zukunftsorientiert wirtschaften zu können.
Kinder auf dem Hof
Aufgeben will die Familie ihren Hof jedoch nicht. „Unsere Familien kommen aus der Landwirtschaft und wir wollten dem Bäuerlichen immer treu sein“, erklärt die gelernte Erzieherin entschieden, „natürlich ist es viel Arbeit, aber wir haben uns für den Hof entschieden und es ist gut, so wie es ist.“
Allen Grund, zufrieden zu sein, hat das Kühlinger Paar durchaus. Seit rund 15 Jahren bietet Inge Alfs in ihrer Freizeit Kindern die Möglichkeit, das Leben auf dem Bauernhof zu entdecken. „804 Kinder waren in diesem Jahr bis zu den Sommerferien auf unserem Hof“, strahlt sie.
Insbesondere umliegende Kindergärten und Schulen nehmen ihre kostenfreien Einladungen gerne an. „Viele Kinder haben noch nie eine Kuh gesehen oder ein Kälbchen gestreichelt“, schmunzelt sie, „und manche Kinder sind so beeindruckt, dass sie immer wieder mit ihren Familien kommen möchten.“
Diese Angebote einmal zu einem wirtschaftlichen Standbein auszubauen, darüber habe sie bereits des öfteren nachgedacht, gibt Inge Alfs zu: „Aber erstmal machen wir weiter wie bisher.“ Und weiter machen auf ihrem Hof wollen Inge und Harm Alfs auf jeden Fall. „Solange wir können“, sind sie sich einig.
