Sandhatten - Der Strukturwandel macht auch vor Sandhatten nicht Halt – mancher landwirtschaftliche Betrieb wird aufgegeben. Während die Flächen in der Regel verpachtet werden, stehen Gebäude und Hallen dann häufig leer. Es finden sich aber auch Beispiele für eine erfolgreiche Nachnutzung.

30 Jahre lang gab es den Hofladen von Familie Eickhorst an der Steinstraße in Sandhatten. Fred Eickhorst und Ehefrau Antje vermarkteten die auf dem Hof angebauten Waren direkt. Als sie den Betrieb 2010 aufgaben, wurden das Land und eine Halle an einen benachbarten Landwirt verpachtet.

Aber auch die anderen Gebäude stehen nicht leer – hier haben sich gleich drei Betriebe angesiedelt, die mit ihren unterschiedlichen Bedürfnissen den verfügbaren Platz optimal ausnutzen und sich teilweise auch noch gegenseitig unterstützen können.

Einer der Unternehmer ist Mathias Waschka – vor vier Jahren hat er sich selbstständig gemacht und entwickelt und vertreibt unter anderem Wärmenutzungskonzepte für Biogasanlagen. „Zwei Jahre ging das recht gut von zu Hause aus. Dann wollte ich eine Sekretärin einstellen, und die sollte nicht bei mir zu Hause sitzen“, sagt er.

Die Anlagen die Waschka vertreibt, nutzen die Abwärme von Biogasanlagen um Ställe, große Hallen oder auch Trocknungsanlagen zu beheizen. Und weil Waschka sich mit Wärme auskennt, hat er neuerdings auch Mobile Heizgeräte in sein Programm aufgenommen, die eingesetzt werden können, wenn eine reguläre Gebäudeheizung nicht zur Verfügung steht – etwa bei einem Umbau oder einem längeren Ausfall. Inzwischen arbeitet neben der Sekretärin auch noch eine Vollzeitkraft mit im Betrieb.


Noch alleine unterwegs ist Henning Tautorat. Auch der Hufschmied ist seit vier Jahren selbstständig und hat unter anderem in Lewitz auf dem Gestüt von Paul Schockemöhle Pferde beschlagen. 2010 war er ebenfalls auf der Suche nach einer Basis für sein hauptsächlich mobiles Gewerbe. Ausschneiden und Beschlagen für 120 bis 140 Pferde steht jede Woche auf dem Programm. Tautorat hat zwar alle Kunden in der direkten Umgebung – weiter als bis nach Westerstede fährt er nicht – dennoch ist eine günstige Verkehrsanbindung für ihn wichtig.

Das gilt auch für das dritte Unternehmen, das die Hofgebäude nutzt. Der Hauptsitz von Behrends Transporte ist zwar nach wie vor in Kirchhatten, wo das von Marion Behrends geleitete Unternehmen 1994 auch gegründet wurde. In Sandhatten wurden aber die lange Zeit dringend gesuchten Stellplätze gefunden. Fünf große Lastkraftwagen und zwei kleinere Transporter fahren für Behrends, fünf Vollzeitkräfte und einige Aushilfen werden beschäftigt. Die Firma transportiert Schüttgut im Nah- und Fernverkehr. Auch Spezialtransporte etwa für die Standorte von Exxon Mobil in Dötlingen und Großenkneten übernimmt die Firma, wie Volker Behrends berichtet. Gefahren wird zwar auch ins europäische Ausland – am liebsten sind den Fahrer aber die Touren in der Region, nach denen sie abends wieder zu Hause sein können. Im Winter unterstützt Behrends außerdem die Straßenmeisterei Oldenburg beim Winterdienst auf Kreis- und Landstraßen.

Ein Teil der Aufträge kommt quasi aus dem eigenen Haus – wenn Mathias Waschka eine Anlage zu transportieren hat, wendet er sich natürlich zuerst an seinen Nachbarn.

Die zentrale Lage von Sandhatten war für alle drei Unternehmer von entscheidender Bedeutung bei der Standortwahl. „Zehn Minuten in jede Richtung und man ist auf einer Autobahn“, sagt Behrends. Die Autobahnanbindung ist zwar auch eines der Argumente, mit denen viele Gemeinden ihre Gewerbegebiete bewerben – Kauf und Neubau wäre aber für keinen der drei Betriebe in Frage gekommen. „Warum auch?“, fragt Waschka. „In vielen ehemaligen landwirtschaftlichen Betrieben ist total viel Potenzial für Firmen wie unsere.“ Und die Lage beeindruckt sogar Kunden. „Viele, die zu mir wollen, bleiben erst mal vor der Tür stehen, und freuen sich über den Blick in die Landschaft“, sagt Waschka, der noch einen weiteren guten Grund für die Ansiedlung im Ort hat. „Sowohl ich als auch mein Mitarbeiter sind hier bei der Feuerwehr. Wir sind im Notfall viel schneller vor Ort als jemand, der außerhalb arbeitet.“