Wildeshausen - „Wir wollen einen fairen Dialog“, sagt Jörg Arendt-Uhde. Was der Regionalgeschäftsführer der Diakonie Himmelsthür damit meint, ist ein Geschäft um Millionen. Denn theoretisch müsste sich die Diakonie um ihre finanzielle Situation keinerlei Gedanken machen. Ihr Grund und Boden könnte ein Vermögen wert sein – wenn sie ihn denn als Bauland vermarkten könnte.

Doch genau das will wohl eine Mehrheit des Rates nicht (NWZ  berichtete). Im Gegenteil: Die UWG hat sogar beantragt, die Gebäude der ehemaligen Lungenheilstätte unter Denkmalschutz zu stellen. Für Arendt-Uhde ein Anlass, in die Öffentlichkeit zu gehen. „2009 ist die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen in Deutschland ratifiziert worden. Dazu gehört auch, dass die Unterbringung in Großanlagen an Stadträndern keine Perspektive hat.“ Viele Träger – wie auch die Diakonie – errichten inzwischen kleine Wohnanlagen mitten in den Orten. „Wir gehen für uns von 18 Projekten für jeweils maximal 24 Menschen aus“, sagt Arendt-Uhde.

Und da sich die finanziellen Förderrichtlinien seit 2009 geändert haben, benötigt die Diakonie nun zusätzliche Mittel für ihre Pläne. Denn: Barrierefreiheit, energetische Standards – all das kostet.

Am liebsten würde man deshalb das Gelände an der Dr.-Klingenberg-Straße für Wohnbebauung vermarkten. 40 Hektar hat man dort, etwa zwei Fünftel davon könnten (theoretisch) verkauft werden. Dazu müsste allerdings der Bebauungsplan geändert werden. Und davon hält die Politik derzeit nichts. Die Stadt hat ihre eigenen Wohnbauflächen ausgewiesen. Ein Großangebot der landschaftlich schön und stadtnah gelegenen Diakonie-Bauplätze würde die Preise verderben, fürchtet man. Außerdem habe die Diakonie die ehemalige Lungenheilanstalt seinerzeit von der LVA quasi zum Nulltarif bekommen.

Arendt-Uhde allerdings sagt unmissverständlich, was dann auf dem Gelände passieren würde. „Perspektivisch werden alle Gebäude hier in einigen Jahren leer sein. Wenn es keinen Denkmalschutz gibt, werden sie abgerissen.“ Sollten die Häuser allerdings unter Schutz gestellt werden, dann würden sie halt leer stehen bleiben. Eine weitere Nutzung ist für die Diakonie in jedem Fall kein Thema mehr.


Die Diakonie fordert nun eine Art „Paten“ im Rathaus, der den Konversionsprozess begleiten könnte. Und man will wieder mit der Politik ins Gespräch kommen...

Jasper Rittner
Jasper Rittner Chefreporter Oldenburg-Stadt/Ammerland