Berlin - Jedem dritten Kind in Deutschland wird selten oder nie vorgelesen – obwohl Vorlesen nachweislich den Zusammenhalt der Familie fördert und den Horizont erweitert. Das geht aus der achten Vorlesestudie der Stiftung Lesen, der Wochenzeitung „Die Zeit“ und der Deutschen Bahn Stiftung hervor, die am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde.
Zu viele Eltern nutzten die Potenziale des Vorlesens nicht aus, sagte Bahnchef Rüdiger Grube, der für eine große Beteiligung am 11. bundesweiten Vorlesetag am 21. November warb. An diesem Tag werden voraussichtlich mehr als 100 000 vorrangig ehrenamtliche Vorleser Kinder im Kita- oder Grundschulalter Geschichten nahebringen und damit ein öffentliches Zeichen für die Bedeutung des Vorlesens setzen. Unter den Vorlesern sind wie in den Vorjahren auch zahlreiche Prominente. Mitmachen könne jedoch jeder, betonte Grube.
Am ersten Vorlesetag 2004 hatten sich 2000 aktive Vorleser in 350 Städten beteiligt, vor zwei Jahren waren es bereits 48 000 aktive Vorleser. In diesem Jahr sind wiederum auch Lesungen an außergewöhnlichen Orten wie auf Bahnhöfen oder in Zügen sowie auf einem Vorlese-Truck geplant. Die Mehrzahl der Aktionen findet in Kindergärten, Grundschulen und Bibliotheken statt.
Nach den Ergebnissen der repräsentativen Studie lesen insgesamt 69 Prozent der Befragten regelmäßig vor, davon viele mehrmals am Tag (sieben Prozent), etliche einmal am Tag (21 Prozent) oder wenigstens mehrmals in der Woche (41 Prozent). Jedoch gaben auch insgesamt 31 Prozent deutlich weniger oder gar keine Leseaktivitäten an. So lesen 15 Prozent nur einmal in der Woche vor, fünf Prozent noch seltener und elf Prozent nie.
