Oldenburg - Viele Jugendliche müssen heute weniger Bewerbungen schreiben als noch vor wenigen Jahren, um einen Ausbildungsplatz zu finden. Zugleich ist die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe groß. Weiterhin gibt es aber eine Gruppe junger Leute, die sich nur schwer integrieren lassen. Das wurde am Donnerstag bei einer Bilanz zum Ausbildungsmarkt im Oldenburger Land deutlich, die die Arbeitsagenturen Oldenburg-Wilhelmshaven und Vechta mit der Handwerkskammer Oldenburg (HWK), der Oldenburgischen IHK und der Landwirtschaftskammer Niedersachsen zogen.

Positiv werteten die Experten: Die Zahl der neuen Ausbildungsverträge ist bis Ende September insgesamt gestiegen. Ein Plus bei der IHK (um 2,0 Prozent auf 4341) wog ein leichtes Minus bei der Handwerkskammer (1,0 Prozent auf 2827) per Ende September mehr als auf.

Trotz der rückläufigen Zahl sei man bei der HWK „zufrieden“, sagte Experte Wolfgang Jöhnk. Schließlich sei die Zahl der Schulabgänger zugleich deutlich stärker – um zwei Prozent – gesunken. Zahlreiche Betriebe seien bereit, die Anforderungen etwas zurückzuschrauben und Unterstützung von der Arbeitsagentur zur Qualifizierung anzunehmen. Als Beispiele für Berufe, in denen nicht alle Lehrstellen besetzt werden können, nannte er Bäcker und Maurer. Zugleich benötigten viele Jugendliche viel weniger Bewerbungen, um an ihren Ausbildungsplatz zu kommen. Eine „stabile“ Situation meldet Edda Albers von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. 6000 neue Verträge seien eingetragen worden.

Die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe sei groß, betonte auch IHK-Geschäftsführer Dr. Thomas Hildebrandt. Ein Hintergrund sei, dass nicht nur die Zahl der Schulabsolventen sinke, sondern auch vermehrt Ältere aus starken Jahrgängen in den Ruhestand gingen. Zu den positiven Details zähle eine Zunahme der neuen Verträge im Bereich Hotels/Gaststätten von fast 20 Prozent.

Hohe Ausbildungsbereitschaft spiegelt sich auch in den Zahlen der Arbeitsagenturen im Oldenburger Land. Von Oktober 2014 bis September 2015 wurden der Agentur Oldenburg-Wilhelmshaven insgesamt 5193 freie Ausbildungsplätze gemeldet – ein leichtes Plus von 0,3 Prozent, berichtete Geschäftsführer Ulrich Thies. Zuletzt gab es noch 445 unbesetzte Stellen – nach „nur“ 340 ein Jahr zuvor.


Die Zahl der Jugendlichen, die einen Ausbildungsplatz suchten, sank um 3,4 Prozent auf 6431. 250 Jugendliche waren Ende September noch „unversorgt“ – 31 mehr als ein Jahr zuvor. Dies sind im Vergleich zu früheren Jahren niedrige Werte. Üblicherweise bieten die Agenturen Qualifizierungsmaßnahmen an. Gleichwohl, so scheint es, ist den Experten klar, dass nicht alle Jugendlichen „mit Problemen“ letztlich in die Berufsausbildung kommen.

Günstig war die Entwicklung auch im Oldenburger Münsterland: Die Betriebe meldeten der Agentur Vechta 2892 Ausbildungsstellen zur Vermittlung – 2,8 Prozent weniger als im Vorjahr. Zugleich suchten 2591 Bewerber über die Agentur einen Ausbildungsplatz – minus 6,1 Prozent. Am 30. September waren noch 34 Bewerber unversorgt und 108 Ausbildungsstellen unbesetzt, berichtete Agenturchefin Christine Eden. Man bleibe auf sehr gutem Niveau.

Rüdiger zu Klampen
Rüdiger zu Klampen Wirtschaftsredaktion (Ltg.)