Ganderkesee - Der frühe Vogel bringt das Paket: Während der beginnenden Morgendämmerung herrscht in der Poststelle in Ganderkesee schon reger Betrieb. „Um sieben Uhr morgens kommen bereits die ersten Pakete“, weiß Kadir Canakci, der seit 16 Jahren als Paketzusteller bei der Deutschen Post arbeitet. Die Pakete werden sortiert und den 13 Postbezirken der Gemeinde zugeteilt. Beliefert werden in Ganderkesee täglich 400 bis 600 Haushalte. Die Zusteller scannen vor dem Verladen alle Pakete einzeln, so kann der Empfänger online per Sendungsverfolgung sehen, wo das Paket gerade ist. „Die Pakete werden bei jedem Schritt erfasst“, erklärt Canakci.
255 Pakete im Gepäck
„Heute sollen es 255 Pakete sein“, weiß Auszubildende Franziska Kleinau, „die Tage sonst geht es schon mal auch über 300.“ Zum Vergleich: Im Sommer sind es nur um die 200 Pakete täglich. Damit auch in der Weihnachtszeit bei den ganzen Päckchen der Zeitdruck nicht zu groß wird, ist ein Mitarbeiter der Post zur Entlastung eingesetzt. Alle Fahrer können Pakete ihres Bezirks abgeben, wenn diese nicht direkt auf einer ihrer Routen zugestellt werden müssen, und der Kollege übernimmt diese dann. „Das ist hier schon sehr gut organisiert“, meint Canakci, „Stress machen wir uns nicht.“
Zugestellt wird meistens in Verbundstouren. Das heißt, Pakete und Briefe werden zusammen verladen und der Postbote fährt dann eine feste Route ab, um alle Sendungen in einem bestimmten Bezirk zuzustellen. Fahrradtouren wurden weitestgehend abgeschafft. Zwei Postboten sind allerdings noch mit dem Fahrrad im Ortskern Ganderkesees unterwegs und stellen dort Briefe zu. Kadir Canakci liefert nur Pakete aus. Er fährt daher alle Adressen im Ort an, die heute eine Paketsendung erwarten. Einen festen Fahrplan gibt es nicht: „Die Route habe ich im Kopf“, erklärt er, „an die Adressen erinnert man sich nach dem Verladen.“
Zustellung ist Ziel
Nachdem auch die letzten Pakete aus der Zentrale in Bremen angekommen sind, gescannt und verladen wurden, geht es los. Die 255 Pakete sollen natürlich möglichst heute ihren Empfänger erreichen, denn Hauptaufgabe ist, die Pakete erfolgreich zuzustellen. Die Benachrichtigungsquote, also die Anzahl der Benachrichtigungen für Pakete, die nicht erfolgreich zugestellt werden konnten, liegt für Verbundstouren bei zwei bis drei Prozent. Bei den Paketzustellern liegt die Quote nur bei rund einem Prozent. „Das sind dann Pakete, die per Nachnahme oder als persönliche Zustellung gekennzeichnet sind“, erklärt Canakci.
Abfahrt 8.30 Uhr: „Mit der Tour sind wir bis ungefähr 15 Uhr durch“, meint Canakci. Am Anfang hat er bis 18 Uhr für eine solche Lieferung gebraucht, „aber mit der Zeit schafft man das schneller“. Im Schnitt werden 140 Abgabestellen täglich von ihm beliefert, einige Adressen erhalten mehrere Pakete.
Mehr als nur Arbeit
Das ist aber kein Problem für Kadir Canakci, denn er kennt sich in Ganderkesee bestens aus – sowohl mit den Straßen als auch mit den Leuten: „Ganderkesee ist keine Stadt wie Berlin, hier kennt man sich. Daher sortiere ich die Pakete so, dass ich die auch bei den Leuten auf der Arbeit zustellen kann“, erklärt Canakci. Die Kunden sind ihm besonders wichtig, denn er besucht einige von ihnen fast täglich. „Die Leute gehören auch zu mir“, meint er. Man unterhalte sich auch mit den Menschen, sowohl über frohe, als auch nicht so frohe Themen. „Bei einer Kundin war der Sohn kürzlich verstorben, da sind wir dann rein und haben gemeinsam einen Kaffee getrunken und uns über Probleme unterhalten“, erzählt Canakci. „Man teilt die Schmerzen und man teilt die Freude. Das ist für mich nicht nur Arbeit“, stellt er fest.
