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Viele seiner Ideen sind ungewöhnlich

Morgen wird in Bergedorf wieder Klosterfest gefeiert und der Bauernhof von Familie Logemann verwandelt sich in einen historischen Marktplatz. Initiator ist der Landwirt Gerd Logemann. Kannte ich einige meiner bisherigen Gesprächspartner an dieser Stelle vorher wenig oder gar nicht, so ist das bei Gerd anders. Trotzdem habe ich bei unserem Gespräch viel Neues erfahren, denn Gerd hat Wege beschritten, die zum Teil völlig anders sind als die vieler seiner Berufskollegen. „Hast Du Dein Ziel erreicht, musst Du Dir neue Hürden aufbauen“, lautet sein Leitspruch.

Gerd Logemann wurde 1950 geboren und ist zusammen mit seinem älteren Bruder und seiner jüngeren Schwester auf dem Bauernhof der Eltern aufgewachsen. Mit zehn Jahren plünderte er sein Sparbuch, um sich ein Akkordeon zu kaufen. Vier Jahre nahm er daraufhin in Delmenhorst Unterricht an der Musikschule. Morgen beim Klosterfest wird er auf dem Akkordeon zwei Kirchenlieder vortragen.

Als jüngster Sohn war sein beruflicher Weg als Landwirt vorgezeichnet, denn er sollte und wollte den elterlichen Betrieb übernehmen, der schon seit 1630 von Familie Logemann bewirtschaftet wird. Nach der bestandenen Meisterprüfung stellte sich Gerd die Frage: Ist der Hof auch in Zukunft wettbewerbsfähig?. So nahm er 1987 und 1989 an einem Unternehmertraining in Bonn teil. „Diese Tage haben mich sehr geprägt“, erzählt er. Hierdurch bekam er unter anderem den Impuls, einen Boxenlaufstall für seine Kühe und auch einen Stall für 3500 Puten zu bauen.

Den Tieren galt schon immer sein Hauptaugenmerk. Eine seiner Lieblingsarbeiten auf dem Hof ist das Melken. „Fällt es Dir schwer, jeden Morgen immer früh aufzustehen?“ „Nein, wenn der Mensch eine gewisse Disziplin einhalten muss, dann tut es ihm gut“, heißt seine Devise. Leidenschaft und Disziplin hat Gerd Logemann schon in jungen Jahren bewiesen, als er als 20-Jähriger zum Vorsitzenden der Landjugend Ganderkesee gewählt wurde und in seiner zweijährigen Amtszeit Maßstäbe setzte. So steigerte er nicht nur die Mitgliederzahl von 80 auf 170, sondern hatte auch die Idee zur legendären Freiluftfete „Beat-Pop-Party“. „Wie bist Du auf diese Idee gekommen?“, wollte ich wissen. „Durch gutes Zuhören entstehen bei mir immer wieder neue Ideen. Damals hat mir mein Cousin Günter Melle von der Sonnenwendfeier in Schweden erzählt. Ich dachte mir, das können wir hier auch!“

Privat engagierte er sich als Veranstalter, um einen früheren Tanzabend im „Bergedorfer Krug“ wieder zu beleben. Wie fast alles bei Gerd wurde auch dies ein großer Erfolg. Der Anfang war 1972 mit 150 Gästen eher verhalten. Doch beim legendären Frühtanz am 1. Mai kamen regelmäßig weit über 1000 Besucher. Insgesamt zehn Jahre lang machte er den „Bergedorfer Krug“ zur angesagtesten Tanzhalle in der Gegend.


Auch politisch war Gerd einige Jahre aktiv, von 1975 bis 1978 als Vorsitzender der Jungen Union Ganderkesee. Gerne wäre er auch in den Gemeinderat gegangen, aber bei der Kommunalwahl fehlten ihm ganze sieben Stimmen.

Zwischenzeitlich hatte er bei einem VHS-Kursus seine spätere Ehefrau Gaby Satzger kennengelernt. Gaby und Gerd Logemann haben inzwischen nicht nur vier erwachsene Töchter, sondern auch vier Enkelkinder. Ehefrau Gaby ist Lehrerin an der Berufsbildenden Schule in Delmenhorst und eröffnete 2004 auf dem Hof ihr Melkhus.

Sehr großes Interesse hat Gerd an Geschichte, besonders an der seiner Heimat. So hatte er herausgefunden, dass vor der Reformation auf seinem jetzigen Grund und Boden einmal eine Kapelle gestanden hatte. Diese Vergangenheit brachte ihn auf die Idee, die klösterlichen Ursprünge neu zu beleben. Aber wie? Er besuchte deshalb zunächst als Gasthörer die Fächer Psychologie und Kirchengeschichte an der Oldenburger Uni. Anfang 2005 war es dann soweit. Gerd Logemann baute seine Kapelle aus Lärchenholz. Im gleichen Jahr fand auch das erste Klosterfest statt.

Zu einer Klosterkapelle gehört natürlich auch ein Mönch. Also legte er sich eine Mönchskutte zu. Damit ging er zu Fuß von Bergedorf nach Ganderkesee und überbrachte der Kirche (für die Tafel) persönlich ein Zehntel seines Gewinnes vom Klosterfest.

Viele Gäste besuchen jährlich seine Klosterkapelle, den angelegten Kräutergarten und natürlich das Melkhus. Durch seine Ausbildung zum Gästeführer fällt es ihm nicht schwer, sein Wissen den Gästen zu vermitteln. „Eine Rede muss immer wie ein Minirock sein, kurz und knapp“, schmunzelt Gerd Logemann. Seit sechs Jahren ist er auch im Kirchenrat und hat parallel zwei Jahre eine Ausbildung zum Lektor gemacht.

Gerd Logemann hat viel Ungewöhnliches gemacht, auch wenn er dabei von einigen Mitmenschen als Exot betrachtet werden mag. Doch wie wäre die Welt ohne Menschen wie Gerd Logemann? Langweilig!

Gerd Logemann,

Landwirt in Bergedorf
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