VIELSTEDT - Viele Menschen, die in Vielstedt wohnen, wüssten gar nicht, dass sie Vielstedter seien, sagt Gästeführerin Heide Meyer. Auch das Baugebiet Obstgarten gehöre zu Vielstedt. Erstmals erwähnt wurde Vielstedt im Jahre 1258 in einem Vertrag über die Weiderechte im Hasbruch. Daher feiert der Ort an diesem Wochenende sein 750-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass hat sich die gebürtige Vielstedterin Meyer mit der Geschichte des Ortes auseinandergesetzt Auf der Jubiläumsfeier wird sie darüber einen kurzen Vortrag halten.
„Interessant ist die Entstehung des Namens Vielstedt“, sagt die Gästeführerin. Der Name bedeute Sumpfsiedlung, dies sei auf die Lage der acht Althöfe an der Brookbäke zurückzuführen. Das „Vie“ stehe für nasses, sumpfiges Land, „stedt“ für Siedlung.
Die Bauern in Vielstedt seien lange Zeit frei gewesen, erst im 15. Jahrhundert seien sie unter Landesherrschaft gekommen, berichtet Heide Meyer weiter. Bei der Erbfolge habe das Jüngstenrecht gegolten. Aus den ärmeren Familien des Dorfes seien viele Männer Hollandgänger gewesen, um ihre Familien zu ernähren. So seien auch die beliebten blauweißen Fliesen, wie sie unter anderem im „Vielstedter Bauernhaus“ zu sehen sind, in das Dorf gekommen. Leicht sei das Leben für die Vielstedter nicht immer gewesen. Zu Kriegszeiten habe es viele Überfälle gegeben, auch von der Pest blieb der Ort nicht verschont. Schlimm sei die Franzosenzeit gewesen. Die jungen Männer hätten sich im Hasbruch und im Moor versteckt, um nicht zu Napoleons Armee eingezogen zu werden.
Die ersten Handwerker kamen zu Beginn des 19. Jahrhunderts nach Vielstedt. Dies war erst mit der Aufhebung der Bannbezirke möglich. Vorher durften die Handwerker ihre Tätigkeit nur in Städten ausüben, so Meyer.
Ein wichtiger Teil Vielstedts ist der Hasbruch. Um den Wald habe es lange Zeit durch intensive Beweidung sehr schlecht gestanden, so Meyer. Aber in den vergangenen 200 Jahren habe sich der Wald erholt und ist heute ein beliebtes Erholungsgebiet.
Die ersten Vereine in Vielstedt entstanden vor gut 100 Jahren. Das Vereinsleben in Vielstedt sei sehr rege, berichtet Meyer. Wichtig für Vielstedt sei auch das „Vielstedter Bauernhaus“ als Mittelpunkt des Ortes. Ausgefallene Aktionen des „Vielstedter Bauernhauses“, wie der Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde mit einer riesigen Schwarzwälder-Kirschtorte und der längsten Pinkelwurst der Welt machen das Dorf weit über die Region hinaus bekannt.
Heute hat Vielstedt 2265 Einwohner auf 9,1 Quadratkilometern. Davon leben 2008 in Vielstedt I und 257 in Vielstedt II. Auf der Feier zum 750-jährigen Bestehen des Ortes präsentieren sich die Vereine und Unternehmen aus Vielstedt und spiegeln das rege Dorfleben wider.
Auf dem Festplatz am Vielstedter Bauernhaus wird an diesem Wochenende gefeiert Für den Festumzug am Sonntag haben sich über 30 Gruppen angemeldet, Bürgermeister Axel Jahnz wird auf dem Gantermobil teilnehmen.
Das Programm am Vielstedter Bauernhaus
Freitag, 12. September:
Ab 20 Uhr plattdeutscher Theaterabend mit der Theatergruppe Hoyerswege; der Eintritt kostet fünf Euro.
Samstag,
13. September:Ab 14 Uhr Traktorpulling (Anmeldung ab 12 Uhr am Bremswagen), Trecker-Treck und Trecker-Oldtimer-Ausstellung auf dem Festgelände; Parkplätze stehen ausreichend zur Verfügung; ab 20 Uhr Holschenball mit DJ Thomas Voigt, Eintritt ist frei.
