VIELSTEDT - „Wenn ich
auf meinen Traktor steige, bin ich in einer ganz anderen Welt. Ich schalte ab und genieße einfach“, schwärmt Michael Poppe von seinem Nutzfahrzeug der Firma Hannoversche Maschinenbau AG, kurz Hanomag. Sein Oldtimer knattert also sozusagen im Wohlfühlgang.
Der Traktor mit Baujahr 1951 und sein Besitzer – ganze neun Jahre jünger – haben sich über eine „Kontaktanzeige“ gefunden. „Suche 45er Hanomag“ lautete der Text im Jahr 1995 in einer landwirtschaftlichen Zeitung. Und der heute 48-Jährige wurde fündig. „13 000 DM habe ich damals für das Gefährt bezahlt“, sagt Poppe, der keinen Pfennig dieser Investition bereut.
Gemütlicher Wohnwagen
Rund 2000 Kilometer legt Michael Poppe jährlich mit seinem Hanomag samt gemütlichen Wohnwagen zurück. 45 PS bringen ihn zu den unterschiedlichsten Oldtimertreffen, Kohlfahrten, Faschingsumzügen und zu Plätzen, an denen man entspannen kann. Im Sommer verzichtet er auch oft auf seinen Pkw. „Dann setzte ich mich in meinen Traktor und fahre damit zur Arbeit“, so Michael Poppe. Die Fahrt dauere zwar etwas länger, aber einzig das Erlebnis zähle. Schon seit längerem ist er Mitglied des Vielstedter Vereins „Frünn von de ole Landmaschinen“. „Wenn ich schon in solch einem Verein bin, dann brauche ich auch einen Trecker“, hatte er sich damals gedacht.
Reise in die Vergangenheit
Jedes zweite Jahr richtet der Verein ein Dreschfest in Vielstedt aus. In diesem Jahr stände die Veranstaltung bereits zum zehnten Mal an. „Leider kommt uns die 777-Jahr-Feier in die Quere“, bedauert Michael Poppe. Es würde sich nicht lohnen das Dreschfest parallel abzuhalten. „Da bleiben uns die Leute weg“, sagt der 48-Jährige, der ebenso wie seine Vereinsmitglieder sehr enttäuscht über diese Doppelbelegung ist. Michael Poppe ist einer der vier Organisatoren des Festes. Er genießt es jedes Jahr wieder, den Besuchern zu zeigen, wie früher gearbeitet wurde. Gemeinsam mit seinen anderen Mitstreitern besitzt er eine Dreschmaschine und kann Interessierte mit in die Vergangenheit nehmen. „Das macht mir immer riesigen Spaß“, sagt er.
Unbeschreibliches Gefühl
Die Begeisterung für die großen Maschinen kommt nicht von ungefähr. Schon sein Großvater sei äußerst fasziniert von den Nutzfahrzeugen gewesen. „1939 hat er mit dem Gewerbe angefangen“, so Poppe. Ein Jahr später habe er bereits Sand und Kies gefahren. Sein Großvater habe in seiner 30-jährigen Laufbahn als Geschäftsmann insgesamt 16 Hanomag besessen, erzählt der Mitarbeiter einer Huder Holzbaufirma.
Seine Liebe zu den Traktoren ist auch in Michael Poppes Haus in Vielstedt nicht zu übersehen. Mittlerweile besitzt er mehr als 20 Modelle von unterschiedlichen Ausführungen des Hanomag-Traktors. Aber damit nicht genug. An den Wänden hängen unzählige Fotos von Michael Poppe und seinen Treckern von Treffen und Dreschfesten. Bücher, Plaketten, Kalender oder selbst Tassen – jedes Zimmer verbirgt einen Hinweis auf sein Hobby. „Es ist einfach ein unbeschreibliches Gefühl“, meint Michael Poppe, „wenn ich mit meinen Hanomag auf Tour gehe.“
