Cloppenburg - Mit Blick auf die aktuell drastisch gesunkenen Preise für Schweinefleisch hat der Vorsitzende des Kreislandvolkverbands Cloppenburg, Hubertus Berges, die Situation der hiesigen Landwirtschaft als dramatisch bezeichnet. Die Branche sehe sich im Spannungsfeld zwischen immer höheren Anforderungen von Seiten der Politik und der Verbraucher sowie der Notwendigkeit, auf dem internationalen Markt wettbewerbsfähig zu bleiben, sagte Berges am Dienstag beim Veredlungstag 2014 des Deutschen Bauernverbands (DBV).

Dazu waren zahlreiche Fachleute aus Politik, Landwirtschaft und Wirtschaft in der Cloppenburger Stadthalle gekommen. Sie diskutierten über den Weg zu mehr Tierwohl unter dem Motto „Schweinehaltung zwischen Tierwohl, Politik und Markt“.

Johannes Röring, Vorsitzender des Fachausschusses Schweinefleisch des Deutschen Bauernverbands, freute sich, an diesem Tag „die gesamte Wertschöpfungskette“ im Saal begrüßen zu können. „Die Schweinehaltung befindet sich in einer turbulenten Zeit“, betonte Röring und hob den Wertewandel in der Gesellschaft und die intensive – öffentlich geführte – Tierhaltungsdebatte hervor. „Wir sind nicht gegen Veränderung. Wir sind für eine Weiterentwicklung in der Tierhaltung“, hob Röring hervor. Er betonte aber auch, dass die Tierhalter auch weiterhin international wettbewerbsfähig bleiben müssten.

Dr. Maria Flachsbarth, parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, skizzierte die geplante Tierwohl-Offensive der Bundesregierung, die bei der Verbesserung der Tierhaltung vor allem auf die zunächst freiwillige Durchsetzung von verbindlichen Standards setzt. Sie betonte, dass die Veredlungswirtschaft in Deutschland nur dann eine Zukunft habe, wenn sie die Ängste der Bevölkerung und das Tierwohl stärker berücksichtige. „Das Tierwohl entscheidet sich an der Kasse“, machte Flachsbarth deutlich und plädierte dafür, bei den Verbrauchern verstärkt für im wahrsten Sinne des Wortes preiswerte – nicht billige – Lebensmittel zu werben.

Dr. Alexander Hinrichs von der Gesellschaft zur Förderung des Tierwohls in der Nutztierhaltung und Ralf-Thomas Reichrath, stellvertretender Geschäftsführer Aldi-Süd, stellten die Einzelheiten der von der Wirtschaft getragenen Initiative Tierwohl vor, die Anfang 2015 starten soll. Sie betonten, dass erstmals alle Beteiligten sich in einer Allianz für das Tierwohl einsetzen würden und versprechen sich daher eine große Durchsetzungskraft der Initiative.


Die Branchenvereinbarung über die Grundzüge der Initiative steht bereits und wurde dem Kartellamt vorgelegt. Der Handel soll sich in Zukunft an dem Programm durch die Zahlung eines „Tierwohlbeitrages“ in Höhe von vier Cent pro Kilogramm Verkaufsmenge von Schweinefleisch oder Wurstwaren an diesem Programm beteiligen.

Ziel ist es, dass auch konventionelle Tierhaltungsbetriebe ohne Einkommensverluste mehr Geld für eine artgerechtere Unterbringung der Tiere investieren können. Damit soll außerdem dem gesellschaftlichen Wunsch nach einer tiergerechteren Nutztierhaltung entsprochen werden.

Im Dezember 2014 sollen die Aktion anlaufen und die Anmeldungen entgegengenommen werden. Im Januar 2015 soll das Tierwohl-Audit laut den aktuellen Planungen starten.