Ganderkesee/Hannover - Ja, ein bisschen stolz ist Stephan Neitzel schon darauf – das kann er auch sein: „Wir messen uns da mit den ganz Großen der Branche“, sagt der Geschäftsführer der SNenergy GmbH und der Systemtechnik Weser-Ems GmbH (Syswe) in Ganderkesee. Zusammen mit vier weiteren Preisträgern ist Neitzel am Montagabend auf der Messe „EuroTier“ in Hannover von der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) mit dem Innovationspreis im Bereich „Energie dezentral“ ausgezeichnet worden.
Alle zwei Jahre vergibt die DLG Medaillen in Gold und Silber für interessante Neuentwicklungen in der Landwirtschaft. Neitzel und sein Team haben seit vier Jahren an einem neuen Überdruckventil für Biogasanlagen getüftelt – jetzt ist das Gerät unter dem Namen „SNenergy drylok“ serienreif. Das Besondere daran: „Wir haben eine Lösung ohne Wasser gefunden“, erklärt der Geschäftsführer. Damit lässt sich verhindern, dass die empfindlichen Ventile im Winter zufrieren, was entweder zur Beschädigung des Behälters oder zu ungewolltem Gasaustritt führen kann.
Bei Kontrollen bemerkt
Im Hauptgeschäft ist Neitzels Syswe GmbH auf die Kontrolle von Biogas-, Solar- und Windenergieanlagen spezialisiert. Mit hochmoderner Messtechnik werden kleinste Fehler in Folge von Verschleiß oder mangelhafter Ausführung gefunden, die die Energiegewinnung beeinflussen können. „Bei den Prüfungen fiel uns immer häufiger auf, dass die Überdruckventile der Biogasanlagen durch Frost ausfallen“, erklärt der Geschäftsführer. Also machte sein mittlerweile siebenköpfiges Team sich daran, eine bessere Lösung zu finden.
Prototypen des „drylok“ wurden in Brandenburg getestet – „wo es richtig kalt ist“, sagt Neitzel. Externen Sachverstand hat sich der Ganderkeseer hinzugeholt. Großen Wert legte er etwa auf ein Gehäuse in ansehnlichem Industrie-Design. Produzieren lässt Neitzel die meisten Teile beim Wildeshauser Apparatebauer Thermotec, montiert wird überwiegend in Ganderkesee, wo SNenergy und Syswe am Industriepark ansässig sind.
Großes Marktpotenzial
Der Vertrieb wird über Servicebetriebe erfolgen, die auf Biogasanlagen spezialisiert sind. Im zweiten Quartal 2017 soll das neue Ventil auf den Markt kommen. „Es gibt 7800 Anlagen mit 25 000 Sicherungen in Deutschland“, sieht Stephan Neitzel großes Potenzial. Er geht von einem jährlichen Absatz von mindestens 1000 Stück aus. Schließlich seien die Betreiber an funktionierenden Ventilen interessiert, denn jeder unkontrollierte Austritt von unverbranntem Methangas belaste nicht nur das Klima, sondern bedeute auch einen wirtschaftlichen Verlust. „Dass das Gas unverstromt in die Luft geblasen wird, will ja keiner.“
