Oldenburg - Franz Thole blickt aus dem Fenster seines hellen Büros auf den Lappan und den Trubel draußen: „Oldenburg und die Region haben sich gut entwickelt – und damit auch wir als Versicherung“, sagt er. Die erfreuliche Entwicklung hat er bei den Öffentlichen Versicherungen Oldenburg nun 40 Jahre lang mitgestaltet – davon 22 Jahre als Vorstandsvorsitzender.

Thole (65), einer der bekanntesten Repräsentanten der oldenburgischen Wirtschaft und der norddeutschen Versicherungsbranche, geht zum Ende des Monats in den Ruhestand. Nachfolger wird Dr. Ulrich Knemeyer.

In Tholes Büro oben in der Oldenburger Zentrale, an der Ecke Staugraben/Moslestraße, ist es schon seit Wochen nach und nach lichter geworden, mit immer weniger Unterlagen. „In den vielen Jahren hatte sich einiges angesammelt“, sagt Thole, der die Dinge wie immer ordentlich hinterlassen will. Außerdem stehen noch ein paar Pflichttermine an. „Es ist ja überall das letzte Mal“, sagt der Versicherungsmanager, mit etwas Wehmut. „Es war eine gute Zeit“, zieht er – wie es seine Art ist, zurückhaltend – eine kurze Bilanz der langen Ära. In diesem Zeitraum stieg das Beitragsvolumen von (umgerechnet) 156,8 Millionen Euro auf 246,9 Millionen Euro (1995-2015).

Jetzt freut sich Franz Thole erst einmal auf die kommenden Freiräume, mit mehr „Terminfreiheit“. Auch an der Spitze eines Unternehmens sei man ja in dieser Hinsicht ein gutes Stück „fremdbestimmt“ gewesen. Wo man ihn, außer auf dem Golf- und Tennisplatz, künftig häufiger sehen wird – das hält sich der seit kurzem 65-Jährige erst einmal offen.

Dass er bei den Öffentlichen Versicherungen Oldenburg Karriere machte, ist auch ein Stück weit Zufall.


Denn die erste Anstellung nach dem Studium in Berlin fand der junge Versicherungsmathematiker in München. Dann bekam er einen Hinweis zu einer Ausschreibung für eine Stelle als Versicherungsmathematiker in Oldenburg. Anfang 1976 unterschrieb er den Vertrag bei der Öffentlichen Lebensversicherung Oldenburg, damals geführt von Dr. Friedrich-Robert Bolte und Rolf Willers.

Damit begann eine eindrucksvolle Karriere. Nach zwei Jahren wurde Thole Leiter der Mathematischen Abteilung, 1984 dann Abteilungsdirektor. 1990 wurde er stellvertretendes Vorstandsmitglied, um nur ein Jahr später als ordentliches Vorstandsmitglied (für Vertrieb) berufen zu werden.

Die Konstellation war damals günstig. Denn für die Vorstände Rolf Willers und Jap-Jürgen Jappen war der Ruhestand absehbar. 1994 wurde Franz Thole Vorstandsvorsitzender.

Die frühe Phase im Vorstand und an der Spitze fiel in eine äußerst herausfordernde Zeit für den Regionalversicherer und seine Mitarbeiter. Von der EU ausgehend sollte das Monopol der Feuerversicherer – also auch der Brandkasse in Oldenburg, bei der quasi jedes Gebäude im Oldenburger Land versichert war – fallen. Dazu wurde ein Landesgesetz verabschiedet – ein „vernünftiges“, wie Thole heute sagt, denn es habe nach den vielen Gesprächen, die damals geführt worden seien, Perspektiven eröffnet.

Der dann folgende aufwendige vertragsrechtliche und vertriebliche Übergang in den Wettbewerb, der für die Kunden keine Brüche mit sich bringen sollte, wurde gemeistert: Die Masse der Kunden blieb der Brandkasse treu. „Das war eine arbeitsreiche Zeit. Aber mir war klar: An so einem Veränderungsprozess wirkt man nur einmal im Leben mit“, sagt Thole nicht ohne Stolz über diese Zeit.

Damals kam Horst Schreiber als neues Vorstandsmitglied (für Vertrieb und Sachversicherungen) mit an Bord. Beide prägten die „Öffentliche“ in intensiver Zusammenarbeit dann über zwei Jahrzehnte.

Man konnte sich nun voll auf das eigentliche Geschäft konzentrieren. In der Ära Thole gab es bei dem Regionalversicherer mit den Sparten Öffentliche Lebensversicherungsanstalt Oldenburg und Oldenburgische Landesbrandkasse kaum ein Jahr ohne Wachstum und höhere Marktanteile. Dazu hätten auch die günstigen regionalen Rahmenbedingungen beigetragen, erläutert Thole heute. Er verweist etwa auf die stark wachsende Motorisierung (Autoversicherung), die rege Bautätigkeit im Oldenburger Land (Gebäudeversicherung) oder auch die wachsende Bevölkerung mit ihren Bedürfnissen (Lebensversicherung). Immer wichtiger wurden auf einmal auch Themen wie betriebliche Altersvorsorge und staatlich geförderte Vorsorge über „Riester“ und „Rürup“.

„Stetig und kontinuierlich“ sei das Geschäft ausgebaut worden, sagt Thole. Diese Solidität verkörpert der scheidende Chef der Öffentlichen auch persönlich. Hastige Richtungswechsel, laute Äußerungen sind nicht sein Ding. Seine sachliche Art und ständige Bereitschaft, Dinge geduldig zu erklären, passen zum langfristigen Versicherungsgeschäft.

Natürlich hat der sportliche 65-Jährige, aufgewachsen in Cloppenburg, sich auch immer ehrenamtlich engagiert, darunter als Vizepräsident bei der Oldenburgischen IHK und an der Spitze der Verkehrswacht. Als erstes fällt ihm zu diesem Kapitel aber der Neubau beim Oldenburgischen Staatstheater (Kleines Haus) Mitte der 90er Jahre ein, der aus Stiftungsgeldern ermöglicht wurde. Thole begleitete dieses Projekt aktiv aus dem Vorstand der neuen Kulturstiftung der Öffentlichen.

Rüdiger zu Klampen
Rüdiger zu Klampen Wirtschaftsredaktion (Ltg.)