Ramsloh - „Hier ruhen Kriegsgefangene der UdSSR.“ So steht es auf einem weißen Stein geschrieben. Davor drei graue Grabplatten. Das sind die Grabstellen von Awerin Swirsky, Iwan Tulin und dem erst einjährigen Mädchen Walentina Nesenzowa. Sie gehörten zu den Zwangsarbeitern und dessen Familien, die im Moorgut Ramsloh ihren Strafdienst verrichten mussten und die Kriegsgefangenschaft nicht überlebten. Sie sind auf dem Friedhof in Ramsloh begraben – genauer gesagt neben dem Friedhof hinter einer Hecke.

Bis vor kurzem war das Grab unbeachtet und ungepflegt. Dass sich dieser Zustand jetzt geändert hat, ist Schülern des Schulzentrums Saterland zu verdanken. In einem Wahlpflichtkurs beschäftigen sich die Achtklässer gemeinsam mit Lehrer Stefan Kühling mit dem Thema „Krieg im Saterland“. Bei ihren Recherchen, die von Marco Wingert vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge unterstützt wurden, stießen sie auf ein Dokument, dass vier russische Namen aufführte, die in der Kriegsgefangenschaft in Ramsloh ums Leben kamen. Also machten sich die Schüler auf die Suche nach den Gräbern. Was sie fanden, war ein dichtgewucherter Flecken Erde. „Der Zustand des Grabes war wirklich beschämend“, sagt Stefan Kühling.

Doch damit nicht genug. Schnell stellten die Schüler fest: Hier fehlt ein Grabstein. Denn es sind vier Tote dokumentiert. „Ein altes Schriftstück deutet darauf hin, dass die vierte Person, Nikolai Kowijenko, erschossen wurde“, erzählt Kühling. Es sei daher davon auszugehen, dass er ebenfalls hier begraben sei, aber keinen Grabstein bekommen habe.

Die Schüler haben sich jetzt gemeinsam mit Johannes Reiners, dem Leiter der Garten-AG am Schulzentrum, daran gemacht, das Grab auf Vordermann zu bringen. „Die Schüler waren mit Begeisterung dabei“, freut sich Reiners. In einem weiteren Schritt möchte man dem vierten toten Kriegsgefangenen in Form eines Grabsteines einen Namen geben. Weitere Ziele des Wahlpflichtkurses sind die Aufstellung einer Gedenktafel sowie die Erstellung von Lehrmaterial, damit sich auch andere Klassen im Unterricht damit beschäftigen können. Zudem wünscht man sich, dass das Grab beim Volkstrauertag einbezogen wird.

Finanziell unterstützt werden sie dabei von Gunnar Koch, Geschäftsführer des Torfwerkes Moorkultur Ramsloh. Zwar hat Familie Koch das Unternehmen erst Ende der 1950er Jahre übernommen, Gunnar Koch sieht sich trotzdem in der Verantwortung, das Projekt zu fördern. „Schließlich gehört die Kriegszeit zu unserer Firmengeschichte dazu. Das dürfen wir nicht vergessen“, sagt Koch. Es sei wichtig, sich immer an die Geschichte zu erinnern. „Es ist daher gut, dass sich die Jugendlichen so vorbildlich engagieren und für eine würdevolle Grabstelle sorgen“, so Koch weiter.


Ein weiteres Grab wurde von den Achtklässlern ebenfalls wieder in Schuss gebracht. Es ist die letzte Ruhestätte des Gefreiten Heinz Rost aus Breslau, der 1945 in Ramsloh gefallen ist. Sehr viel wisse man von dem Soldaten noch nicht, sagt Stefan Kühling. Er würde sich daher sehr freuen, wenn irgendjemand näheres wisse. Ohnehin sei man sehr an Bildern und Geschichten aus der Kriegszeit interessiert. Wer etwas beitragen möchte, kann sich an das Schulzentrum Ramsloh wenden.

Carsten Bickschlag
Carsten Bickschlag Redaktion Münsterland (Leitung Cloppenburg/Friesoythe)