Nordenham/Phiesewarden - Für die Vita-Forum GmbH ist beim Amtsgericht Nordenham am Dienstag der Antrag auf ein Insolvenzverfahren gestellt worden. Grund ist die finanzielle Schieflage, in der sich die private Pflegeeinrichtung befindet. Im April hatte der Betrieb den knapp 60 Mitarbeitern keinen Lohn gezahlt. Nun beantragte der Verpächter des Gebäudes an der Sophie-Scholl-Straße wegen ausstehender Miete das Insolvenzverfahren.
„Der Betrieb läuft auf jeden Fall wie gewohnt weiter“, sagte Daniel Tecklenburg, Geschäftsführer des Vita-Forums. Patienten und Bewohner bekämen die gleiche Fürsorge und Pflege wie zuvor. Durch das Verfahren solle das Vita-Forum wieder auf gesunde Füße gestellt werden.
Bereits vergangenen Donnerstag war für die Villa Lindenhof GmbH in Phiesewarden ebenfalls ein Insolvenzantrag gestellt worden. Das Seniorenpflegeheim in Phiesewarden arbeitet mit dem Vita-Forum in Nordenham und dem Petershof in Rastede verwaltungstechnisch in einem Verbund. Auch die Gehälter der rund 30 Lindenhof-Angestellten standen für April aus.
Aussicht auf Ausfallgeld
Ein vorläufiger Insolvenzverwalter prüft jetzt die Bücher. „Wir haben bei der Bundesagentur für Arbeit einen Antrag auf Vorfinanzierung des Ausfallgelds gestellt, das schnell bewilligt wurde. Die Mitarbeiter der Villa Lindenhof haben ihr Geld“, sagte der zuständige Bremer Rechtsanwalt Detlef Stürmann der NWZ. Während er die Villa Lindenhof betreut, ist sein Kanzleikollege Tim Beyer zum vorläufigen Insolvenzverwalter des Vita-Forums berufen worden.
Detlef Stürmann geht davon aus, dass auch die Angestellten des Vita-Forums schnell Ausfallgeld bekommen. Am heutigen Mittwoch findet eine Betriebsversammlung für sie statt.
Die Anwälte haben die Pflegehäuser der Bremer Hansa-Gruppe aus der Insolvenz geführt und verfügen über Erfahrung. „Es ist auf jeden Fall das Ziel, Vita-Forum und Villa Lindenhof weiter zuführen“, so Detlef Stürmann. Ob die Probleme der Verbundpartner auch den Petershof in Rastede belasten, wird geprüft. Rechtlich sind die Häuser unabhängig voneinander.
In der Insolvenz sollen die Schulden des Vita-Forums abgebaut werden. Zudem laufen Daniel Tecklenburg zufolge Verhandlungen über ein Investment – also frisches Geld von außen – für das Haus.
Perspektive ist positiv
Schwerpunkt des Vita-Forums ist die stationäre Versorgung von Menschen, die an Demenz erkrankt sind oder an seelischen Erkrankungen leiden (72 Plätze). Daneben gibt es eine Tagespflege in Kooperation mit der Johanniter-Unfallhilfe (12 Plätze) und eine Einheit für betreutes Wohnen (8 Plätze). Eröffnet worden war der 7,1 Millionen Euro teure Neubau im April 2012.
Für die spezielle Pflege von Demenzpatienten wird viel Personal benötigt. Um die Kosten dafür tragen zu können, müssen die Betten im Vita-Forum gut belegt sei. Die Entwicklung ist derzeit gut: Momentan sind von den 72 stationären Plätzen noch 20 frei. Im Herbst waren es 32. Entsprechend optimistisch ist Geschäftsführer Daniel Tecklenburg. „Aber wir brauchen für die Steigerung der Auslastung einen längeren Atem.“
