Westerstede - Mit einsetzendem Frühling macht sich bei vielen Menschen die sogenannte Frühjahrsmüdigkeit bemerkbar. Antriebslosigkeit, Müdigkeit, Kopfschmerzen oder Schwindelgefühl sind typische Symptome. Die NWZ  hat Gesundheitsexperten gefragt, was es mit dem Phänomen auf sich hat und was man gegen auftretende Symptome machen kann.

Der Westersteder Arzt Dr. Paul Kathmann ist Vorsitzender des Ammerländer Ärztenetzes und kennt keine schulmedizinische Erklärung für die Frühjahrsmüdigkeit. „Es handelt sich um keine Krankheit im klassischen Sinn, da wir keine messbaren Werte heranziehen können“, erklärt der Mediziner.

Verantwortlich für das Phänomen macht er Botenstoffe im Gehirn wie den Neurotransmitter Serotonin. „Wie vieles andere auch, beeinflusst wahrscheinlich das Licht diese Botenstoffe“, führt Kathmann weiter aus.

Der Effekt sei, dass Menschen sich matt und nicht so fit fühlen würden. Der Wechsel vom Winter mit langen Dunkelperioden zum Frühling mit immer länger werdenden hellen Tagen sei hier der ausschlaggebende Faktor. „Im Winter ist man auf Grund der Dunkelheit weniger aktiv als im Frühling oder Sommer“, berichtet der Arzt. Den Übergang schaffe man am besten mit viel Bewegung, einem gesunden Tag-Nacht-Rhythmus und viel vitaminreicher Nahrung. Medikamente, die gegen die Frühjahrsmüdigkeit helfen, gebe es nicht.

Karin Nichter-Wolgast, Ernährungsberaterin der Landwirtschaftskammer Oldenburg, sieht das ähnlich: „Licht wirkt sich auf die menschliche Psyche aus. Je mehr Licht wir ausgesetzt sind, desto stärker wird unsere Psyche positiv beeinflusst. Das macht sich zum Beispiel durch einen gesteigerten Tatendrang bemerkbar.“ Der Wechsel von kalten, weniger hellen Tagen, zu wärmeren und helleren Tagen sei demnach für das Phänomen verantwortlich.


Darüber hinaus beeinflusse auch der Temperaturwechsel den menschlichen Stoffwechsel. Das sei keine einfache Umstellung für den Körper, sagt die Ernährungsberaterin.

Um den Symptomen entgegenzuwirken, empfiehlt sie viel Bewegung an der frischen Luft. „Wer draußen unterwegs ist, sollte nach Möglichkeit die Unterarme frei machen, um die Sonne an den Körper zu lassen“, führt sie weiter aus. Das Licht kurbele die Vitamin D-Produktion des Körpers an. So sei eine ausreichende Versorgung sichergestellt. Das Vitamin sei beispielsweise wichtig für die Stabilität von Knochen und Zähnen.

Außerdem rät Karin Nichter-Wolgast, sich mit viel frischem Obst und Gemüse der Saison zu ernähren. „Fünf am Tag lautet die Devise. Das heißt, dass man fünf Mal am Tag Obst oder Gemüse zu sich nehmen soll. Das weckt die Lebensgeister.“

Ergänzend empfiehlt sie Vollkornprodukte für die Verdauung. Wer sich gesund ernähre und sich ausreichend bewege, müsse die Frühjahrsmüdigkeit nicht fürchten.

Wolfgang Alexander Meyer
Wolfgang Alexander Meyer Redaktion Oldenburg