Bösel/Kreis Cloppenburg - In den vergangenen Jahren tummelten sich Blaumeisen, Rotkehlchen oder andere Vögel in Vogelhäuschen und freuten sich über von Menschen ausgelegtes Futter. In diesem Jahr sind Gartenvögel kaum gesehen. Eine Beobachtung, die viele Leser in Bösel, aber auch in anderen Gemeinden des Landkreises sowie weit über die Region hinaus gemacht haben.

Von einigen besorgten Anfragen berichtet der Böseler Heinz Kosanke. Der Landschaftsökologe, der beim Amt für Natur und Umwelt des Landkreises Cloppenburg beschäftigt ist, hat die bei ihm zuhause ausgehängten Meisenknödel wieder eingeholt, ohne dass Vögel daran geknabbert hätten. „Das ist schon sehr auffällig in diesem Jahr“, sagt Heinz Kosanke. Er glaubt nicht, dass dieser Rückgang mit der Veränderung der Landschaft und damit mit dem Rückgang der Brutplätze zusammenhängt. Die Vogelgrippe könne auch ausgeschlossen werden.

Das bestätigt Rüdiger Wohlers, Bezirksgeschäftsführer des Naturschutzbundes (Nabu): „Singvogelarten werden generell nicht von der aktuellen Form der Vogelgrippe befallen, und auch die betroffenen Wildvogelarten, meist Wasservögel oder Aasfresser, sterben lediglich in so geringen Zahlen, dass Auswirkungen auf die Gesamtpopulationen nicht feststellbar wären.“

Über Erklärungen für den Rückgang bei den Singvögelarten in diesem Jahr rätseln die Experten. Eine Rolle spiele vermutlich, dass es im Herbst des vergangenen Jahres viele Baumfrüchte wie etwa Bucheckern gegeben habe. Deshalb seien die Gartenvögel nicht auf die Meisenknödel und -ringe angewiesen. „Die heimischen Vögel bleiben einfach in den Wäldern, weil sie dort genügend Nahrung finden“, sagt der Experte Wohlers. Und durch die bisher milden Temperaturen würden auch weniger Vögel wie Zeisig, Buchfink oder Elster aus den nordischen Ländern herziehen als in den Vorjahren.

Aber in Skandinavien, dem Baltikum und Russland sind die Temperaturen jetzt deutlich gesunken, die dortigen Baumfrüchte versiegen langsam. Deshalb treibt es mehr Vögel in die Region. Eine Tatsache, die auch Heinz Kosanke beobachtet hat: „Es werden langsam wieder mehr Vögel.“

Aufschluss erhofft sich der Nabu von der Vogelzählaktion „Stunde der Wintervögel“, die ab diesen Freitag durchgeführt wird (siehe Infobox).

Reiner Kramer
Reiner Kramer Redaktion Münsterland (Stv. Leitung Cloppenburg/Friesoythe)