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Schifffahrt Vom Fehnkanal auf den Atlantik

Nikola Nording

Reekenfeld - Langsam schippert ein Frachter über den Küstenkanal in Höhe Kamperfehn im Landkreis Cloppenburg. Er fährt an der kleinen Abzweigung des Elisabethfehnkanals vorbei – so wie die meisten großen Schiffe. Der kleine Kanal wird eher von kleineren Motor- und Segelbooten befahren, manchmal kommen auch Yachten vorbei. Meistens um die Siemer Werft anzusteuern. „Der Standort am E-Fehnkanal hat sich als optimal rausgestellt“, sagt Werftchef Alexander Siemer.

Schließung bedroht

Viele Bootssportler und Hobbysegeler nutzen den Reparaturservice der Werft. „Wir liegen hier in einem Dreieck wichtiger Wasserstraßen“, so Siemer. Die orangen Hallen der Siemer Werft haben durch die Nähe zum Küstenkanal direkten Anschluss an Oldenburg, an die Nordseeküste sowie an den Dortmund-Emskanal. Der Elisabethfehnkanal mündet wiederum in die Sagter-Ems und damit auch in Jümme und Leda. Ein vielbefahrenes Gebiet von Wassersportlern. „Daher ist der E-Fehn-Kanal für uns existenziell und von großer Bedeutung“, sagt Siemer über die von der Schließung bedrohte Wasserstraße.

Sein Geschäft baut sich nicht nur auf dem Reparaturservice auf. Der gelernte Tischlermeister und sein 15-köpfiges Team haben ihr Augenmerk auf den Bau von Yachten gelegt. Derzeit liegt ein 5,80 Meter hoher und 5,80 Meter breiter Bug einer Aluminium-Yacht in seiner Werkshalle. „Sie passt so gerade durch unsere Werkstore“, erklärt der Bootsbauer. Die „BM-70“ wird ein zwei-Mast-Segler und wird später auf den Weltmeeren wie dem Atlantik unterwegs sein. Kostenpunkt: Drei Millionen Euro. „Die teilen sich aber der Konstrukteur, wir mit dem Innenausbau und der Lackierung und der Mastbauer“, erklärt Siemer. Der Zwei-Master wird, wenn er zum Mastbauer nach Bremerhaven übergesetzt wird, 5500 Arbeitsstunden in der Siemer Werft gekostet haben. „Die Boote liegen bis zu sechs Monate in unseren Hallen“, sagt Siemer.

Gegründet hat er das Unternehmen 2001. Die Liebe zur Schifffahrt hat ihm sein Vater vermittelt. „Er ist früher zu See gefahren“, sagt Siemer. Mit dem ersten Kind blieb Anton Siemer dann an Land und baute kleine Schiffe in seiner Freizeit. Am Barßeler Hafen wurden die dann ins Wasser gelassen. „Mein Bruder und ich waren viel dabei und haben so viele Grundlagen aus der Tischlerei und Schlosserei mitbekommen“, erinnert sich Alexander Siemer. Seine Leidenschaft machte er dann zum Beruf.

Hessen 6 und Bayern

Erste Erfolge stellten sich dann vor sechs Jahren ein. „In Zusammenarbeit mit der Uni Stuttgart und dem Max-Planck-Institut haben wir die ,Argo Navis’ gebaut“, erzählt Siemer. Das Forschungsschiff fährt mit einem integrierten Navigationssystem. Der Computer steuert via GPS das Radar, den Autopilot und den Wendeanzeiger. Zwar hat die Argo Navis noch ein Steuerrad, dieses braucht das Schiff aber nicht mehr, „es könnte unbemannt fahren“, erklärt Werftchef Siemer. „Vor allem soll der Schiffer durch die Technik entlastet werden.“ Bereits 850 Schiffe fahren mit dem Navigationssystem. Eine Weiterführung soll das „Perlenketten“-Fahren sein. Dabei fahren viele Kähne hintereinander, nur vom Navi gesteuert. „Dadurch werden auch effizientere Wege gefunden“, so Siemer.


Die neue Technik nahmen Wasserschutzamt und Polizei ab, „da kam dann automatisch die Frage: ,Wer hat das Schiff gebaut?’ und so kam das Land Hessen auf uns zu, um die Hessen 6 zu bauen“, sagt Siemer. Auch das Land Bayern gehört zum Kundenstamm der kleinen Werft im Binnenland des Nordwestens.

Jetzt im Winter bietet der Betrieb einen Lagerservice für Boote an. 128 Motor- und Segelschiffe lagern in den orangen Hallen, das Größte hat eine besondere Funktion: „Es ist ein Bestattungsboot, für Seebestattungen“, erklärt Siemer.

Er selbst ist mit seiner Familie übrigens auch begeisterter Wassersportler. „Mein Boot ist allerdings nur 10 Meter lang und im Wattenmeer unterwegs“, erzählt er schmunzelnd.

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