Bösel - Schlüssel für Schlüssel nimmt Xenia Nording aus einem kleinen Metallkorb und legt sie auf ihrem Schreibtisch ab. Noch immer sind sie die häufigsten Fundgegenstände, die bei ihr im Fundbüro abgegeben werden. Abgeholt werden sie aber in der Regel nicht. „Eher werden die Türschlösser ausgetauscht“, meint Nording. Auch wenn es sich dabei um den Autoschlüssel eines Mercedes, den für einen Transponder einer Firma oder den Wohnungstürschlüssel handele – es sei halt eben doch nur ein Schlüssel.

Dasselbe gilt auch für Handys: Von älteren Modellen bis hin zum neusten IPhone hat Xenia Nording alles in ihrem Fundus. Viele der ehemaligen Besitzer melden sich jedoch nicht. Auch Portemonnaies mit kleinen Geldbeträgen darin werden hier abgegeben. Meist gehen diese über Ausweisdokumente schnell an den Besitzer zurück.

Anders ist es mit der Abgabe von Findeltieren. Katzen, Hunde, Nager, Kanarienvögel, Schafe und sogar eine Schildkröte wurden schon bei ihr in Bösel im Fundbüro abgegeben.

Ein Großteil der Tiere seien Hunde, für die das Fundbüro Bösel sogar eigens einen Zwinger auf einem Bauernhof angemietet hat. Dort werden die Vierbeiner vorübergehend untergebracht, bis der Besitzer sich meldet. In den meisten Fällen blieben Hunde aber nicht sehr lange in der Obhut des Fundbüros. „Hunde werden schnell vermisst und gesucht, anders sieht es bei Katzen aus. Diese werden in großer Zahl abgegeben und sind oft schwer zu vermitteln“, erzählt Xenia Nording aus dem Alltag im Fundbüro.

Auch vor Kurzem sei wieder ein Maikätzchen abgegeben worden, sagt Xenia Nording. Ob es an einen Besitzer vermittelt werden kann, sei fraglich, da nicht zu erkennen sei, ob das Tier herrenlos ist oder ausgesetzt wurde.


Verständnis für Tierhalter, die den ungewollten Nachwuchs ihrer Haustiere aussetzen, hat Xenia Nording nicht. „Es kommt schon vor, dass mehrere Kätzchen in einem geschlossenen Karton an der Soeste ausgesetzt oder in einer Wassertonne ertränkt werden – und das nur, weil der eigene Vierbeiner nicht kastriert wurde“, ärgert sie sich. Eine Kastration koste den Halter circa 80 Euro – das Geld sei aber einigen Leuten zu schade.

Jährlich würden so immer mehr Jungtiere – teils ganze Würfe von sechs bis sieben Tierkindern– ausgesetzt, sagt Xenia Nording. Und so müsse die Allgemeinheit für die Versorgung der Tiere finanziell aufkommen.

Tierhalter müssten daher Vorsorge treffen, so dass sich das eigene Haustier nicht ungewollt vermehrt. Sonst werden die Findeltiere in Zukunft wohl die Schlüssel, Handys und Portemonnaies im Fundbüro Bösel zahlenmäßig übertreffen.