Ganderkesee - Beamtenbezüge, immer ein Dach über dem Kopf, geregelte Arbeitszeiten und viele Wochen Ferien im Jahr – der Lehrerjob bietet so einiges, von dem andere Arbeitnehmer träumen. Anders ist das bei Kirsten Glümer: Sie zieht es vor, im Angestelltenverhältnis, im Freien und mit den gesetzlich vorgeschriebenen Urlaubstagen tätig zu sein. Nach Staatsexamen und erstem Jahr im Referendariat entschied sich die heute 31-Jährige für einen Kurswechsel.
Zwei Jahre ist das jetzt her. Gerade hat Kirsten Glümer, die aus dem schleswig-holsteinischen Elmshorn stammt und heute in Hoykenkamp lebt, ihre Ausbildung zur Gärtnerin, Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau, abgeschlossen. Mit der Prüfungsnote 1,74 legte sie die beste Leistung aller rund 50 Berufsabsolventen aus der Region Oldenburg-Aurich ab. „Im schulischen Teil hatte sie sogar eine 1,0“, sagt Volker Kreye, in dessen Betrieb Kirsten Glümer ausgebildet wurde, anerkennend.
„Ich bin einfach kein Schreibtischmensch“, sagt Kirsten Glümer über ihre berufliche Kehrtwende. „Das eine Jahr im Referendariat habe ich mir zwar noch gegeben, aber danach war mir klar, dass ich etwas anderes machen wollte.“ Im Garten- und Landschaftsbau habe sie ihren Traumberuf gefunden, so die 31-Jährige. Besonders schätze sie am Garten- und Landschaftsbau, am Ende des Arbeitstages einen unmittelbaren Erfolg sehen zu können.
Eingesetzt wird Kirsten Glümer wie ihre männlichen Kollegen in allen Arbeitsbereichen. „Sie macht alles vom Pflastern bis zur Pflege“, berichtet Bauleiter Thorsten Riedebusch, der sich bei Kreye um die Auszubildenden kümmert. Vor allem in der Theorie rage Kirsten Glümer klar heraus. „In Pflanzenkunde kann sie hier einigen etwas vormachen“, lobt Riedebusch. Er könne sich gut vorstellen, dass die Gärtnerin eines Tages eine Kolonne anführt und schwerpunktmäßig in Privatgärten tätig sein wird.
Kirsten Glümer selbst schätzt besonders die kreative Komponente ihres Berufes. Ihr macht es Spaß, Gärten komplett neu anzulegen oder alte Gärten umzugestalten. Gerne arbeite sie dabei mit Naturstein – wie auch in ihrer Prüfungsarbeit, einem drei mal drei Meter großen Gewerk. Dort galt es Borde zu setzen, Platten zu legen, Natursteinarbeiten unterzubringen, einen Baum zu setzen und Rasen anzusäen. Und das alles binnen dreier Stunden. Zudem habe Kirsten Glümer 30 Pflanzen auf Deutsch und mit ihrem botanischen Namen bestimmen sowie nach Gattung, Art, Sorte und Wuchsform klassifizieren müssen, erklärt Thorsten Riedebusch.
Ihren Gesellenvertrag bei der Firma Kreye hat Kirsten Glümer längst in der Tasche. „Das war unabhängig von der guten Prüfungsnote“, versichert ihr Chef. Letztere ist für Volker Kreye allerdings mit einigen Kosten verbunden: „Ich habe meine Gesellenprüfung vor 20 Jahren mit 1,94 bestanden“, erzählt der Gartenarchitekt. „Ich sage allen meinen Auszubildenden, wer es mit einer besseren Note schafft, dem bezahle ich die Fete.“
