Rastede - Martin Kusch kramt in einem Koffer, holt ein unscheinbares Gerät und einen Laptop hervor. In der rundlichen Box steckt viel Technik, per USB wird sie mit dem Rechner verbunden. Auf dem Bildschirm erscheinen Statistiken und Messkurven.
„Sie zeigen die Leistungsfähigkeit und den Stoffwechsel eines Menschen an. Die Werte ermitteln wir mithilfe des Gerätes“, erklärt Kusch. Der 48-Jährige ist seit mehreren Jahren an der technischen Entwicklung beteiligt, zum Einsatz kam sie unter anderem auf der Raumstation ISS.
Bis die Technik marktreif war, hat der 48-Jährige einige Stationen durchlaufen müssen. „Nach meiner Ausbildung zum Maschinenbauer habe ich mich 1996 an der Sporthochschule in Köln beworben“, sagt Kusch. Dann ging alles ganz schnell: Nach dem Studium arbeitete der Sportwissenschaftler am Institut für Physiologie in Köln. „Wir haben gemeinsam mit sieben Unis in Europa den Auftrag bekommen, eine Technologie zu entwickeln, die die Leistungsfähigkeit und den Stoffwechsel von Astronauten ermitteln kann“, sagt Kusch. Anschließend entschloss sich der Rasteder zur Gründung der Firma „Aerolution“, heute ist er Geschäftsführer des Unternehmens, das seinen Sitz in Fürth hat und zurzeit 20 Mitarbeiter beschäftigt.
Inzwischen ist die Technik so ausgereift, dass sie auch in anderen Bereichen genutzt werden kann, etwa in Fitnessstudios, oder bei (professionellen) Sportlern. Anhand der Daten könne ein gezielter Trainings- und Ernährungsplan gestaltet werden, erklärt Kusch. Sein Ziel: „Wir möchten dabei helfen, Folgeerkrankungen durch falsche Ernährung und Bewegungsmangel vorzubeugen.“
Als Grundlage für die Messungen dient der Sauerstoffgehalt im Körper. „Mithilfe dieses Wertes können wir für jede Person den Kalorienverbrauch ermitteln – einmal im Ruhemodus und auch nach Aktivität“, erklärt Kusch.
„Bis zum Jahr 2010 haben wir die Platinen und Sensoren verkauft, inzwischen bauen wir auch das Endgerät“, erklärt Kusch. Vertrieben werde die Ware international, vor allem in Skandinavien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Rumänien und Japan. Größter Abnehmer sei China mit rund 600 Geräten jährlich. Erst kürzlich hat Kusch beim deutsch-chinesischen Wirtschaftsforum in Berlin einen über fünf Millionen Euro schweren Vertrag abgeschlossen.
Für die Zukunft plant er die Verfeinerung der Auswertungssoftware, die ebenfalls von „Aerolution“ entwickelt wird. „Wir möchten eine App für Smartphones und Tablet-Computer anbieten und damit noch näher an unsere Zielgruppen herankommen“, erklärt Kusch. Außerdem sei eine neue Sensorengeneration geplant, die noch feinere Messungen ermöglichen soll.
Informieren möchte Martin Kusch aber auch ganz klassisch, daher „halte ich regelmäßig Vorträge an Universitäten“.
Um den Kontakt zu Geschäftspartnern zu pflegen, ist der Rasteder viel unterwegs, besucht unter anderem den Firmensitz in Fürth und Geschäftspartner im Ausland.
