Jever - In den 1990er Jahren hatte Klaus F. Schmidt einfach alles: Villa, Sportwagen, eine Yacht und eine erfolgreiche Firma. Heute hat der ehemalige Spitzenunternehmer nichts mehr. Der Grund für seinen Abstieg: Spielsucht. Am Donnerstag, 8. November, 20 Uhr, liest Schmidt im Schützenhof Jever aus seiner Autobiografie. Eingeladen hat den Multimillionär a.D. die Fresenia-Loge.
Das Leben meinte es von Anfang an nicht gut mit Schmidt. Er ist noch keine fünf Jahre alt, da verlassen seine Eltern und Geschwister Deutschland in Richtung Kanada. Klaus bleibt bei seiner Großmutter in Bremerhaven. Seinen Hauptschulabschluss schafft er nicht. „Ich war der Schlechteste von 800 Schülern. Mein Lehrer hat mir vorausgesagt, dass ich entweder kriminell oder Penner werde“, sagt er.
Geworden ist aus ihm in den 1990er Jahren ein Firmeninhaber mit 70 Millionen Euro Jahresumsatz. Zu verdanken hat er diesen Erfolg einer „sprudelnden“ Idee, dem Sodastream, einem Gerät, das Leitungswasser mit Kohlensäure versetzt.
Bewegtes Leben
Auch zuvor war sein Leben bewegt: Mit 17 Jahren arbeitet Schmidt als Page auf einem Passagierschiff, sieht die Welt – und wird gefeuert, weil er mit einem mitreisenden Mädchen angebandelt hatte. Danach heuert er auf einem Fischkutter an. Vor seinen Augen wird ein Mädchen vergewaltigt, ein Koch wird über Bord geworfen – Schmidt hat genug von der Seefahrt. Stattdessen hält er sich mit Gelegenheitsarbeiten über Wasser.
Eines Tages soll er das Haus einer Nachbarin streichen. Ein Jahr später hat er einen Handwerksbetrieb mit elf Mitarbeitern. Doch als ein Bauträger die ausstehenden Zahlungen verweigert, geht die Firma pleite. Nicht die erste Pleite in seinem Leben. Immer wieder versucht er, die Umstände oder andere verantwortlich zu machen.
Seine nächste Firma, die Seereisen vermittelt, geht mit Beginn des ersten Golfkriegs den Bach herunter. Niemand will dort Urlaub machen, wo Amerika einen Krieg führt. Seine Werbeagentur geht in Insolvenz, weil angeblich sein Hauptauftragsgeber versucht hat, ihn zu erpressen.
Mit Sodastream katapultiert sich Schmidt an die Spitze. Er ist Chef von 70 Mitarbeiter und besitzt ein Vermögen, von dem andere nur träumen. Doch all das kann ihn nicht glücklich machen. 1997 verkauft er seine Anteile für fünf Millionen Mark und zieht sich aus dem Geschäft zurück.
Ohne Beschäftigung wird Schmidt spielsüchtig. Am Ende ist von seinem Vermögen nichts mehr übrig. Schmidt muss sich bei einem Freund einnisten, beantragt Hartz IV.
Schuld anderen gegeben
Die Schuld sucht er nicht bei sich – er verklagt die Bremer Spielbank. Die Klage wird abgewiesen. Mittlerweile arbeitet er als Unternehmensberater, leben kann er davon mehr schlecht als recht.
Am 8. November liest er im Schützenhof Jever aus seinem Buch. Titel: „Nichts geht mehr. Vom Sodastream-Multimillionär zum Hartz IV-Empfänger“. Karten kosten 7 Euro an der Abendkasse. Weitere Informationen gibt es unter Tel. 0171/21 02 031.
