Brake - Horst Arians aus Remels verfügt über ein unerschöpfliches Repertoire an Wissen über Fliesen. Der Tischlermeister, Restaurator und Kunsthändler hielt jetzt einen Vortrag zur 300-jährigen Geschichte der niederländischen Fliese im Braker Schifffahrtsmuseum.
Vor allem Fliesen aus Harlingen, Makkum, Utrecht und Rotterdam waren nach Horst Arians Worten im nordwestdeutschen Raum verbreitet. Sie wurden per Hand in verschiedenen Manufakturen hergestellt und zeigten oft die gleichen Motive. Sie fanden sich unter anderem an Kaminen, selbst ganze Räume wurden mit den blau-weißen Fliesen verschönert.
Bekannte Motive sind unter anderem der Friesenstern, das Pferd sowie Hund und Katze, die stets an einem Kamin zu finden sein müssen. „Insgesamt sind 609 verschiedene Motive bei den Fliesen bekannt“, so der Referent.
Es gibt Fliesen aus unterschiedlichen Materialien, beispielsweise aus Stein, Marmor und gebranntem Ton.
Diese Art der Wandverkleidung wurde einerseits frei bemalt oder auch mittels einer Durchstaubschablone, auch Sponse genannt, mit einem Kohlebeutel betupft. Das Motiv war somit beliebig reproduzierbar. Unterschiede ergaben sich beim Ausmalen der Flächen. Anschließend wurden die Fliesen gebrannt. Hier galt es, Vorsicht walten zu lassen, damit die Fliesen nicht brachen oder sich verformten.
Als Motive gab es oft biblische Szenen, aber auch Obst und Tiere, insbesondere Vögel, wurden dargestellt. Vor allem diejenigen, die sich mit der Seefahrt verbunden fühlten, wählten für ihre Häuser gerne Fliesen mit Motiven aus dem maritimen Bereich. Schiffe zierten zuhauf die Fliesen sowie Fabelwesen Blumenvasen und Landschaften.
Eine Besonderheit waren die Fliesentableaus, die aus einer größeren Anzahl Fliesen bestanden und sich oftmals einem bestimmten Maler zuschreiben lassen.
Wichtige Erkennungsmerkmale waren auch die Eckenbemalungen, die unter anderem Lilien, Ochsenköpfe, Punkte mit Strichen oder andere Motive zeigten. Anhand der Motive und auch Hand- oder Massenfertigung kann das Alter einer solchen Fliese bestimmt werden.
Von 1540 bis ins 17. Jahrhundert hinein wurden die Fliesen auch bunt bemalt, die blau-weiße Färbung gab es erst ab 1620.
