Klein Henstedt - Henning Greve weiß, worauf es bei der Obstbaumveredlung ankommt. Auf dem BUND-Hof „Wendbüdel“ in Klein Henstedt begrüßte Betriebsleiter Dr. Wulf Carius am Sonnabend den Veredlungsfachmann Greve und eine nur kleine Schar an Interessierten zu dem Kursus. Dafür waren diese Gäste aber umso wissbegieriger.
„Alles, was gut schmeckt, versuche ich auch zu veredeln“, sagte Greve, der selbst BUND-Mitglied ist und aus Syke nach Klein Henstedt kam. Alte, aber auch neue wohlschmeckende Birnen- und Apfelsorten setzt der Syker auf die Pflanzenunterlage, wie die Kursteilnehmern erfahren konnten.
Bittenfelder Sämling
„Zunächst geht es darum, eine robuste Unterlage zu wählen“, erklärte Greve. Dazu würde sich der Bittenfelder Sämling für Äpfel beispielsweise gut eignen. „Früher war das eine Kunst, die Unterlagen auszuwählen. Heute geht man da einheitlicher vor und das klappt erstaunlich gut.“ Henning Greve zieht sein Messer aus der Scheide, nimmt sich einen solchen Unterlagen-Stock und schnitzt mittig eine Kerbe in das Holz, nachdem der obere Teil des Triebes entfernt worden war. Spalt-Veredelung nennt das der Fachmann.
Einfache Sache
„Eigentlich ist das alles ganz einfach, wenn man es erst einmal nur gemacht hat. Wichtig ist dabei, die Messer-schneide und die Kerbe nicht mit den Fingern zu berühren, damit keine Keime in den Schnitt gelangen.“ Schließlich wird das Holzfleisch des Triebes entfernt und in die Kerbe der Edel-Reisig passend eingesetzt. Dann wird alles noch mit Leinen umwickelt und mit Wachs abgedichtet. „Nach einer Woche ist die Unterlage mit dem Reisig im Normalfall verwachsen“, so Greve.
Mit dem Auspflanzen wurde es aber nichts. In der durch Biowärme und mit Lehm-Stroh-Wänden gut gewärmten Hof-Diele bemerkte man den schneidenden Ostwind nicht. Aber draußen war dann nicht wirklich passendes Pflanzwetter. „Der Trieb wird eingeschlagen und bei kommenden milderen Temperaturen dann ausgepflanzt“, schloss der Greve seinen Vortrag.
