Bümmerstede/Salalah - Nach atemberaubender Bergtour oder heißer Wüstensafari sind die Reisegruppen meist wunschlos glücklich. Jetzt noch ein paar Postkarten kaufen und den Daheimgebliebenen von den Eindrücken vorschwärmen. Doch die bunten Vordrucke suchen die Urlauber im Südoman meistens vergeblich. Noch. „Wir haben jetzt selbst Ansichtskarten entworfen mit Motiven aus der Region“, sagt Anissa Kirch.

Solche Aktionen sind typisch für die junge Bümmer­stederin. Seit einem Jahr führt sie Reisegruppen auf eigene Faust durch die Dhofar-Region im Süden des Sultanats Oman. Rund 500 Touristen haben bei ihr bislang Touren gebucht, berichtet die 25-Jährige: „Die Gäste betreiben Mundpropaganda in den Hotels. Es kommen immer mehr, viele auch ein zweites Mal.“

Derzeit macht Kirch Urlaub und erholt sich in Bümmerstede von den Strapazen der langen Saison. Ende August geht es zurück. Vor einem Jahr gründete sie die Agentur National Tours Oman. Zuvor hatte sie den Schreibtisch in der Touristikbranche gegen das Abenteuer getauscht und als Reiseleiterin im Wüstenstaat Erfahrungen gesammelt. „Die erste Saison mit eigener Agentur hat mich in der Entscheidung bestätigt“, sagt Kirch. Mit ihrem Geländewagen kutschiert sie Kleingruppen auf die Berge oder zu den Plantagen rund um die Stadt Salalah, in der sie auch lebt. Massenaufläufe vor Sehenswürdigkeiten lehnt sie ab, setzt stattdessen auf individuelle Betreuung der Urlauber. „Wir gucken bei unseren Touren nicht auf die Uhr“, erzählt Kirch. Die Touristen wissen es zu schätzen und loben die unbefangene Art ihrer Reiseleiterin im Gästebuch. Ihr Arabisch hat sie auch verbessert: „Es reicht für den Smalltalk.“

Eine Portion Mut gehörte dazu, als sich Kirch zu ihrem Schritt entschloss, auch wenn das Sultanat als politisch stabil gilt. Doch die Krisenherde der Region wie etwa der bürgerkriegsgeplagte Jemen liegen gleich nebenan. „Bislang fühle ich mich im Oman jedoch sicher und kann mich auch als Frau in einem islamischen Land frei bewegen“, kontert die Reiseleiterin die Bedenken. Abenteuerlustig sei sie schon immer gewesen, gegen den Strom zu schwimmen ihre Sache.

Ganz reibungslos verlief auch das zurückliegende Jahr nicht. Unter anderem machte der Bümmerstederin ein kurzzeitig verhängtes Arbeitsverbot trotz bestehender Lizenz das Leben schwer. Ans Aufgeben verschwendete Kirch jedoch keinen Gedanken. Sie hielt durch und schmiedet Pläne für die neue Saison. Vor allem sucht sie Mitarbeiter, die sie neben den freiberuflichen Einheimischen unterstützen. „Mein Arbeitstag beginnt um 8 Uhr morgens und endet oft erst um 23 Uhr“, berichtet Kirch, die sich bislang um alles selbst kümmert – von der Anfrage über die Buchung bis zur Postkarte.