Kirchkimmen - Ein Buchsbaum in seinem Garten stand – so könnte die Geschichte von Horst Stünkel, dem Freund der Pflanzen, von denen ihm das immergrüne Gehölz das Liebste ist, beginnen. Vielleicht auch mit seinen Erinnerungen an die Zeit als Gärtner des großen Charlie Chaplins. Damals im Jahre 1953.
Erster Garten mit acht
Eigentlich aber beginnt die lebenslange Leidenschaft des Huders noch früher: „Meinen ersten Garten habe ich mit acht Jahren gehabt. Er war zwei Quadratmeter groß und bestand aus einem Kirsch- und einem Apfel-Wildling, die ich im Wald gefunden habe“, erinnert sich der gebürtige Hannoveraner.
Als jahrelanger Gastgeber der Huder Gartenerlebnisse Ziel vieler neugieriger Besucher und Besitzer eines zwei Hektar großen „Paradieses“ samt eigener Kapelle ist Horst Stünkel im wahrsten Sinne des Wortes kein „unbeschriebenes Blatt“ in der Gemeinde.
Dass an diesem Sonnabend, 13. April, der Ehrentag der Pflanze ist, war dem 79-Jährigen jedoch neu. Für ihn persönlich ist das 365 Tage im Jahr so. „Manchmal wache ich nachts auf und zeichne meine Ideen auf Papier“, verrät er. In seiner grünen Oase gäbe es immer etwas zu tun.
Weshalb ihm der Buchsbaum am liebsten von all den unzähligen, blühenden Schätzen ist, kann er leicht begründen: „Er ist die Mutter aller Gewächse.“ Zumindest einer – direkt vor der Eingangstür des verwinkelten Stünkelhauses steht seine älteste Errungenschaft. „Vor 80 Jahren geboren“, lächelt der Rentner stolz wie ein Vater und legt seine Hand um den knochigen Stamm.
Tor zur Unendlichkeit
10 000 Nachfahren dieses Buchsbaumes haben er und seine Frau Hilde im Stünkel-Garten gepflanzt. Einer von ihnen lenkt mit seiner Scheckenform direkt hinter dem hölzernen „Tor zur Unendlichkeit“ die Blicke der Besucher auf sich. Direkt dahinter steht die Kapelle. Dort will das Paar irgendwann seine letzte Ruhestätte – umgeben von seinen grünen Freunden – finden. Zuletzt hat Hilde Stünkel dort allerdings Geburtstag gefeiert. Das Herz der 80-Jährigen schlägt übrigens mehr für Taglilien. Nicht für Rosen, wie ihr Mann fälschlicherweise vermutet – die seien ihr zu kompliziert.
Dort, wo heute „Stünkels Gartenparadies“ Pilgerer mit grünem Daumen anlockt, war früher bloß eine Schafweide. „Das ist mein Lebenswerk“, sagt der Kirchkimmer nicht ohne Stolz. Und obwohl das Herz des 79-Jährigen für Pflanzen Purzelbäume schlägt, galt seine längste Leidenschaft der Bildhauerei. Weil er aber auch nach Wunsch seines Vaters „etwas Anständiges“ habe lernen müssen, ließ er sich zum Gärtner ausbilden. Inzwischen haben überall zwischen Blumen und Bäumen auch seine Holzstatuen ihren Platz gefunden. Darunter ein geschnitzter Charlie Chaplin.
Ja, Horst Stünkel, der „Idealist“, wie er selbst sagt, hat viel zu erzählen. Nur eine Ode an die Pflanze mag er nicht halten. Auch nicht, wenn sie ihren Ehrentag hat. „Ein Gärtner ist kein Poet“, erklärt er. Auf die Frage aber, was der größte Stolz seines Paradieses ist, hat er eine Antwort: „Meine Frau“. Vielleicht weil sie wie der 80-jährige Buchsbaum die Mutter aller Pflanzen ist. Denn so beginnt schließlich die Geschichte.
