Hannover - Von Existenznot bis Zuversicht: Vor dem Deutschen Bauerntag, der in der kommenden Woche in Hannover stattfindet, zeigt sich die wirtschaftliche Lage der niedersächsischen Landwirte höchst unterschiedlich. Während die Milchbauern in Deutschlands Agrarland Nummer eins die schwerste Krise seit Jahren durchleben, haben sich die Schlachtpreise für Schweine erholt. Die Geflügelbranche profitiert von der seit Jahren steigenden Nachfrage, besonders bei Hähnchen. Gut aufgestellt sind auch die Ackerbauern. Ein Überblick:

Milch: Die Milchbauern sind das Sorgenkind der Branche, die Betriebe stehen mit dem Rücken zur Wand. „Die Situation ist besorgniserregend“, sagte der Marktexperte der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Albert Hortmann-Scholten. Die Landwirte reagieren: Die Liefermenge geht zurück, die Zahl der Kuhschlachtungen nimmt zu. Aber trotz des Rückgangs sei die Milchmenge noch zu hoch. Auf die Preise drücken auch die von der EU eingelagerten 285 000 Tonnen Magermilchpulver und 261 000 Tonnen Butter.

Fleischmärkte: Bei den Schweinen ziehen die Schlachtpreise seit gut vier Wochen an – nicht nur wegen der Grillsaison, sondern auch, weil China, Korea und Japan verstärkt Schweinefleisch kaufen. Auch wenn die Landwirte jetzt aufatmen, kostendeckend seien die Preise noch nicht, sagte Matthias Quaing von der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN). „Die Betriebe erwirtschaften im Moment gerade einmal den Grundlohn.“ Aber wenn diese stabile Preisphase noch über einen längeren Zeitraum andauere, seien die Bauern schon zufrieden.

Beim Rindfleisch habe die gestiegene Zahl der Kuhschlachtungen die Erlöse nach unten gedrückt.

Hähnchen und Puten laufen nach Beobachtung von Landvolk und Landwirtschaftskammer saisonal gut. „Wir haben eine gut ausgeglichene Marktlage mit zufriedenstellenden Ergebnissen“, sagte Hortmann-Scholten. Unter den Fleischerzeugern gehe es ihnen am besten. Allein die Eierpreise tendieren nach Angaben des niedersächsischen Geflügelwirtschaftsverbandes (NGW) nach unten.


Ackerbau: Die Ackerbau-Landwirte erwarten nach jetzigem Stand eine überdurchschnittliche Ernte. „Wir haben einen sehr guten Vegetationsverlauf“, sagte Hortmann-Scholten. Der schwache Euro begünstige den Getreide-Export. Unterm Strich hätten die Ackerbaubetriebe zwar auch Einkommensverluste. „Aber die sind bei weitem nicht so gravierend, wie es bei Fleisch der Fall ist“, sagte Hortmann-Scholten.

Politik: Der NGW-Vorsitzende Friedrich-Otto Ripke nimmt für die Landwirte in Anspruch, dass viele Wünsche aus Politik und Gesellschaft mit Blick auf Tierwohlverbesserungen aufgegriffen worden seien. Für die Praxis erwartet er aber Hilfe von Land und Bund: „Wir brauchen Zeit, das alles praktikabel umzusetzen.“ Und der Lebensmitteleinzelhandel müsse den Mehraufwand beim Tierwohl honorieren – die gemeinsame Initiative Tierwohl von Landwirtschaft, Fleischwirtschaft und Lebensmittelhandel sei unterfinanziert.