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Oldenburger Handwerk Von Kopf bis Fuß auf Schuhe eingestellt

Lea Bernsmann

Oldenburg - „Manolos sind super. Die halten ewig.“ Von den Sex-and-the-City-Stilettos hat Monika Omniczynski keine im Schrank. Dafür knallblaue Lederstiefel – handgenäht. Und Boots aus Hanf. Gut 18 Paar insgesamt. Viele Unikate: selbst gemacht. Zum Minirock passen sie nicht. Aber die Oldenburgerin trägt sowieso lieber Jeans.

Ihre Leidenschaft für Schuhe teilt sie mit den meisten und besonders mit einer Frau: Heidi Gaus. Seit 20 Jahren kleben, schleifen, feilen und polieren sie in der kleinen Werkstatt auf dem Hinterhof der alten Molkerei Pumps, Sneaker, Ballerinas und Boots der Oldenburger Laufkundschaft. Viele von denen hat die Ladeninhaberin und Namensgeberin Heidi Gaus vom Vorgänger übernommen. Längst sind nicht mehr alle am Leben – die Schuhmachermeisterin und ihre Gesellin flicken jetzt schräge Absätze und durchgelatschte Sohlen der Enkel.

„Bis die alten Gurken wieder richtig schön sind“, sagt Monika Omniczynski und fischt einen verbeulten Slipper aus dem Regal. Ein guter Schuh nämlich, kann Menschen über lange Strecken begleiten – „wenn man ihn pflegt.“ Cremen und Sprühen reicht nicht, sagt die Fachfrau: „Dann sehen sie von oben top und unten völlig abgewetzt aus.“ Nach zwei Jahrzehnten Berufserfahrung gibt ihr das Aufschluss über die Psychologie der Besitzer. Trotzdem ist für sie: „Alles reparabel“.

Damit auch chaotisches Fußvolk wieder eine flotte Sohle aufs Paket legen kann, schnitzen, schrauben und nähen die beiden Schuhmacherinnen von morgens bis abends an den vielen abenteuerlich aussehenden Maschinen: Eine hat große Rollen mit Wachs und Schleifpapier und Borsten. Daneben steht ein Weitapparat, der unbequeme Highheels vertretbar macht und an mittelalterliche Foltergerätschaften erinnert. Eine Presse befestigt geleimte Sohlen. Fürs Grobe gibt’s eine Ledernähmaschine. Feinheiten und letzte Schliffe erledigen die geübten Finger der beiden Oldenburgerinnen. „Auf die Schnelle geht das nicht“, sagt Monika Omniczynski und hält einen schwarzen Herrenschuh hoch, den sie gerade mit zwei verschiedenen Fäden genäht hat.

Männer mit Stöckelschuhen

„Das ist ein ästhetischer Beruf. Mit Hand und Fuß“, sagt sie. Früher einmal hat sie ihr Geld als Tierwirtin verdient. Bis zur Umschulung. „Ich musste mich entscheiden, ob ich was im Büro oder was Handwerkliches mache. Rumsitzen wollte ich nicht“, sagt die 56-Jährige. „Wer mit der Ausbildung fertig ist, kann sich seine Schuhe selbst machen – und richtig kreativ sein“, sagt sie. Schuhmacher gehört jedoch nicht zu den Traumberufen der jüngeren Generation: „Das Handwerk ist aus der Mode“, sagt Heidi Gaus und zuckt mit den Schultern. „Ist halt so: Die Welt verändert sich.“ So lange es billiger sei, neue Schuhe zu kaufen als alte reparieren zu lassen, ändere sich nichts.


„Diese Billigdinger stinken nach Plastik. Und sind schlecht für die Füße“, sagt ihre Mitarbeiterin. Im Laden riecht es nach Leim und Leder, Wachs und Metall. Über mangelnden Zulauf können sich die zwei Schuhmacherinnen nicht beklagen: Wer sich beim Schnäppchenjagen die Absätze runtergelatscht hat, stöckelt hier bald restauriert aus der Tür. Die meisten Kunden kommen in den Übergangszeiten: bevor der erste Frost da ist, sollen die Stiefel winterfest sein und sobald sich die ersten Sonnenstrahlen zeigen, müssen Sandalen und Mokassins wieder leuchten. Typisch männliche und weibliche Reparaturfälle gibt es übrigens nicht, sagt Heidi Gaus. Gelernt hat die 58-Jährige ihr Handwerk ebenfalls nach einer Umschulung.

Mit dem eigenen Laden und ihrer Gesellin ist sie wunschlos glücklich: Läuft gut. Hält ewig. Wie Manolo- Blahnik-Schuhe. Wenn den Besitzerinnen und Besitzern doch mal der Absatz abbricht, kommen sie zur Schuhmacherei Gaus. Zu unseren Kunden gehören nämlich auch Männer – mit Stilettos“, sagt Monika Omniczynski.

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