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Nachgefragt Von Wildeshausen in weite Welt

Uta-Maria Kramer

Wildeshausen/Winnipeg - Das Erstaunen war groß, als das Wildeshauser Autohaus Denker im Januar 2009 Konkurs anmelden musste. 1995 hatten Jens und Hanna Denker die Unternehmensführung von Firmengründer Klaus Denker und Ehefrau Karla übernommen und zehn Jahre später zusammen mit 27 Mitarbeitern und vier Lehrlingen das 50-jährige Bestehen des Opel-Autohauses gefeiert.

Im September 2006 verkaufte Jens Denker dann gut ein Drittel seines Grundstücks, auf dem zwei Ausstellungshallen standen, an den Discounter Aldi. Der errichtete dort im Anschluss an die Abrissarbeiten einen neuen Markt. Doch anstatt eine neue Ausstellungshalle neben der Werkstatt zu bauen und die angestrebte gründliche Modernisierung durchzuführen, fing Jens Denker noch einmal ganz von vorne an. Zusammen mit Frau und Tochter wanderte er nach Kanada aus. Das Opel-Traditionshaus wurde zum 1. Oktober 2007 an Ralph Michael, Inhaber des heimischen BMW-Autohauses, verpachtet.

Dessen Hoffnung auf Synergieeffekte erfüllte sich jedoch nicht: Anfang 2009 schlug die damalige Krise auf dem Automarkt auch in Wildeshausen durch, und das Autohaus Denker stellte einen Insolvenzantrag. Michael machte damals auch hausgemachte Probleme geltend: Vorbesitzer Denker habe falsche Erwartungen geweckt.

Wogen geglättet

Inzwischen haben sich die Wogen von damals geglättet. Wo einst Opel verkauft wurden, bietet heute der Discounter Netto seine Waren feil. Auch die Denkers haben den Sprung in ein neues Leben nie bereut. Zusammen mit Hund Socke leben sie in Winnipeg, der Hauptstadt der Provinz Manitoba, die wiederum in der Mitte Kanadas liegt. In Winnipeg lebt die Familie im Stadtteil River Heights nahe des Italienischen Viertels und unweit des Stadtkerns.

Jens Denker ist seinem Beruf treu geblieben und arbeitet als Kfz-Meister, Ehefrau Hanna ist bei „scoop ’n’ weigh“, einem Anbieter von Back- und Kochzutaten, tätig.


Tochter Pia Denker hat vor kurzem ihren High School Abschluss erhalten und ihre letzten Arbeitstage bei Booster Juice absolviert, Kanadas größter Kette von Saft- und Smoothie Bars. Dort hatte sie circa zwei Jahre neben der Schule gejobbt. Anfang September hat Pia dann den Sprung zurück nach Europa gewagt und ist als Au-Pair-Mädchen im spanischen Barcelona angefangen.

Den Neubeginn in Kanada hat die junge Frau als relativ unkompliziert empfunden. „Durch die hohe Einwanderungsquote aller Nationalitäten hat sich das kanadische Schulsystem auf Immigranten eingestellt, so dass es auch für mich einfach war, Anschluss und neue Freunde zu finden“, berichtet sie.

Kanadische Weite

Besonders genossen hat sie in den vergangenen Jahren das vielfältige sportliche Angebot in Winnipeg. Ausprobiert hat sie nach eigenen Angaben so unterschiedliche Sportarten wie Rugby, Basketball, Leichtathletik und natürlich auch Fußball. Hier trainierte sie zwischenzeitlich sogar eine Kindermannschaft.

An Kanada fasziniert Pia und ihre Familie neben dem umfangreichen Freizeitangebot besonders die Weite, die Gelassenheit der Kanadier und die vielen Seen. Doch es gibt auch Dinge, die die ehemaligen Wildeshauser in ihrer neuen Heimat vermissen: die Bratwurst und die Radwege.

Dennoch würden die Denkers den Schritt in die Ferne immer wieder tun. „Der Neuanfang hat mir die Möglichkeit gegeben, eine ganz neue Kultur und Sprache kennenzulernen“, schwärmt Pia.

Den Kontakt zur alten Heimat hat sie gehalten. „Natürlich habe ich immer noch eine enge Beziehung zu meiner Familie und meinen Freunden, die ich bei meinen letzten Deutschlandbesuchen immer wieder gerne getroffen habe“, betont die junge Frau. Diese Besuche werden in Zukunft noch leichter möglich sein, denn im Vergleich zu Kanada ist es ja von Spanien nach Wildeshausen nur ein Katzensprung ...

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