[/VORSPAUTOR][AUTOR] - OLDENBURG - Bekannt ist Marcel Offermann in Oldenburg, seitdem der gebürtige Neusser im vergangenen Jahr als Badegast einem achtjährigen Jungen im Olantis das Leben rettete (die NWZ berichtete). Bundesweit ist er als Schöpfer einer Papst-Benedikt-, einer Angela-Merkel-, und einer Mozart-Puppe bekannt geworden. Mittlerweile wohnt der 35-Jährige mit seiner Frau und seinem Sohn in Hundsmühlen und arbeitet seit dem Wochenende als Puppendoktor im Herbartgang.
Dass das eine Nische ist, die funktioniert, hat er längst bewiesen. Seit sieben Jahren betreibt er in Neuss mit Erfolg die „Puppenklinik Offermann“ und repariert und restauriert Stofftiere und Puppen wie Schildkröt und Käthe Kruse aus ganz Deutschland, den Niederlanden, Frankreich und den USA. In seinen beiden Geschäften in Neuss und Oldenburg – und international vor allem über seinen Internetshop – verkauft Offermann außerdem die Klassiker der größten Puppen- und Bärenhersteller und Holzspielzeug wie Brio-Eisenbahnen, hinzu kommen Versicherungsgutachten wertvoller Puppen für Allianz und Provinzial.
Dabei war die Familie von der Idee nicht gleich überzeugt. „Mein Vater, ein Mannesmann-Prokurist alter Schule, hat gesagt, ich hätte sie nicht alle.“ Doch Offermann, staatlich geprüfter Rettungsassistent, der in Hamburg Germanistik studierte, ließ sich nicht beirren. Nach einem Praktikum in einem großen Neusser Spielwarengeschäft, das er fürs Studium benötigte, und dreijähriger Lehrzeit bei einer Spielzeugmacherin war er für die Selbstständigkeit vorbereitet. „Wenn ich eine Lampe anbringen muss, muss ich einen Freund anrufen, aber das Filigrane, das liegt mir.“
Als die Betreiber ihr Spielwarengeschäft in Neuss aus Altersgründen schlossen, übernahm Offermann die Puppen und startete in einer alten Apotheke mit seiner Puppenklinik durch.
Seitdem ist der frühere Rettungsassistent Klinikdirektor und operiert mit Skalpell, Spritzen, Kanülen, Pinzetten und Gipsrollen, dass es für die Besitzer der kleinen Patienten eine Freude ist. Offermann: „Das ist eine Sache, mit der man Menschen sehr glücklich machen kann. Da hält man ein Stück Leben in der Hand.“ Mit der Beschädigung gehe für viele „eine Welt unter“. Umso größer ist die Freude, wenn das, was Ehemänner, Enkelkinder oder Putzfrauen auf dem Gewissen haben, geheilt wieder entlassen wird. Vom Steuerberater bis zur eigenen Familie gibt es längst keine Widerstände mehr gegen Offermanns Geschäft: „Es meinem Vater immer noch fremd, trotzdem ist er heute völlig überzeugt.“
