Wolfsburg - Volkswagen hat auf einer der zahlreichen Konzernbaustellen für etwas Klarheit gesorgt: bei den Boni für Topmanager. Allerdings gibt es keinen endgültigen Verzicht, wie manche es gefordert hatten. Seit der Aufsichtsratssitzung am Freitag steht fest: Der Vorstand des Konzerns stellt seinen Anspruch auf Bonuszahlungen nur in Teilen zurück und muss keinen endgültigen Verzicht hinnehmen.
Zwar behalte der Konzern etwa 30 Prozent der variablen Vergütung der Vorstände ein. Das Geld werde aber in Aktien umgewandelt und geparkt, erklärte der VW-Aufsichtsrat und niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) am Freitag in Wolfsburg. Nach Ablauf von drei Jahren werde geprüft, wie sich der Aktienkurs entwickelt hat. Liege der um ein Viertel über dem jüngsten Niveau, werde das Geld ausbezahlt, liege er darüber, gebe es sogar entsprechend mehr Geld zurück.
Falls der Kurs unter der Schwelle von 125 Prozent liege, bekämen die betroffenen Vorstände prozentual entsprechend weniger. Zudem greift am oberen Ende der Fahnenstange eine Deckelung bei 200 Prozent.
Zuvor hatte eine Allianz aus dem Land Niedersachsen, dem Betriebsrat und der Gewerkschaft IG Metall von den Managern einen maximalen Verzicht verlangt – bis hin zur Nullrunde.
Weil betonte, dass es schließlich gültige Vereinbarungen mit den Top-Managern gab, die nicht vom Tisch zu wischen gewesen wären: „Wir mussten abwägen zwischen berechtigen Erwartungen der Öffentlichkeit einerseits und vertraglichen Verpflichtungen andererseits“, sagte der Politiker. „Ich denke, wir haben eine angemessene Regelung gefunden.“ Nach Informationen aus Aufsichtsratskreisen mussten die Vertreter von Land und Arbeitnehmerseite beim Verkaufen des Kompromisses gute Miene zum bösen Spiel machen.
Hohe Abstriche müssen die Aktionäre machen. Für 2015 sollen sie 11 Cent je Stammaktie und 17 Cent je Vorzugsaktie bekommen, nach 4,80 und 4,86 Euro zuvor. Das wurde nach der Aufsichtsratssitzung am Freitag ebenso bekannt wie der Verlust von 1,36 Milliarden Euro. Die Sonderbelastungen erreichten 16,9 Milliarden Euro. „Das operative Geschäft des Volkswagen-Konzerns ist kerngesund“, sagte der Vorstandsvorsitzende Matthias Müller.
