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AUSWILDERUNG "Bei uns führt der Bulle das Kommando"

NORMANN BERG

VREES - Spinax, Spanyr, Tirila und Tita haben vor zwei Jahren

ihren behüteten Lebensraum, den Tierpark Springe bei Hannover und den

Berliner Tierpark Friedrichsfelde, verlassen. Die vier Wisente sind

die Hauptakteure eines Auswilderungsprojektes. In der Nähe von Vrees auf der Grenze zwischen den Landkreisen Cloppenburg und Emsland

haben sie eine neue Heimat gefunden.


In einem 1000 Hektar großen Gehege im dortigen Eleonorenwald

können sich die vom Aussterben bedrohten Wildrinder nun austoben -

und tun das auch: Im Juli 2007 erblickte der erste Nachwuchs,

Jungbulle „Arenberg“, das Licht der Welt, weitere könnten im Sommer

folgen. „Wir hoffen, dass auch die beiden anderen weiblichen Tiere

tragend sind“, sagt Revierförster Johannes Dierkes.

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Die mächtigen Tiere machen eine gute Figur. „Sie sind sehr agil“,

erläutert Dierkes. Der Eindruck eines verträumten Herdentieres, das

friedlich Gräser, Moose und Rinden frisst, könne sich gerade bei

Bullen schnell ändern. Revierförster Dierkes musste deshalb schon mal

flugs das sichere Innere seines Geländewagens aufsuchen, weil der 900

Kilo schwere Spinax plötzlich bis auf 20 Schritt Entfernung an ihn

heran galoppiert kam. Angst hatte Dierkes aber nicht. „Die Tiere sind

an Menschen gewöhnt und sehr neugierig. Selbst die Motorsägen der

Waldarbeiter locken sie an“, erzählt der Förster.

Die Wisent-Auswilderung ist ein gemeinsames Projekt des

Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und

Naturschutz (NLWKN) und der Privatforstverwaltung Arenberg-Meppen.

Der Landesbetrieb sieht das Ganze zudem als Biotop- und Artenschutz

an. „Die Wisente sorgen dafür, dass halboffene Landschaften wie

Magerrasen und Heiden nicht vollständig bewalden und der

Artenreichtum erhalten bleibt“, erklärt Projektleiter Hermann

Wreesmann.

Die Privatforstverwaltung Arenberg-Meppen, der das Gelände gehört,

wird für ihre freiwilligen Naturschutzleistungen, wie etwa die

Bereitstellung des Areals und des Revierförsters, finanziell

entschädigt. Die Gesellschaft ging aus dem früheren Familienbesitz

der Herzöge von Arenberg hervor, die seit dem Jahr 1803 im Emsland

als Landesherren aktiv waren.

Dritter im Bunde ist die Universität Osnabrück. Weil der weltweit

letzte freilebende Wisent vor rund 80 Jahren getötet wurde und das

Wissen über diese Tierart lückenhaft ist, interessieren sich die

Wissenschaftler vor allem dafür, wie sich die Wisente mit ihrem

halbwilden Lebensraum und den anderen Waldbewohnern arrangieren.

Die meisten Erfahrungen sammelt der Revierförster aber bei seinen

regelmäßigen Rundgängen. Zum Beispiel die, dass die Herde nicht das

älteste Muttertier mit der Führung beauftragt hat, erläutert Dierkes

und fügt hinzu: „Bei uns führt immer noch der Bulle das Kommando, die

Kuh hat diese Aufgabe nicht angenommen.“ Insgesamt spielen die

Wisente im Eleonorenwald eine dominante Rolle. „Die anderen Wildarten

halten Abstand, bis auf die Wildschweine“, berichtet der Förster.

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