Wolfsburg/Emden - Die Gala des Werksclubs VfL Wolfsburg gegen Real Madrid sah VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh live im Stadion – für ihn sicher eine willkommene Abwechslung. Denn ansonsten stehen bei Volkswagen mitten in der Abgas-Krise knallharte Konflikte bevor. Es geht um die Zukunft von Jobs und Werken. Die Arbeitnehmerseite verschärft jetzt die Gangart.
Ein vom Vorstand der VW-Kernmarke mitgetragener Zukunftspakt soll „für die nächsten Jahre“ fixe Zusagen für Produkte, Stückzahlen und Investitionen festschreiben. „Wir wollen ein Ende der Spekulationen über die Zukunft von Menschen und Standorten“, heißt es in einem am Donnerstag an die Belegschaft von VW-Pkw versandten Brief. Das liest sich auch als eine klare Kampfansage an die Führung der Hauptmarke.
Der Skandal um manipulierte Dieselfahrzeuge hat VW in eine Krise gestürzt. Es drohen Milliardenkosten, der Sparkurs wurde verschärft. Vor allem geht es dem Management darum, die Renditeprobleme der Marke VW in den Griff zu bekommen.
Osterlohs Leute klagen, sie müssten ihren verunsicherten Leuten erklären, was VW-Markenchef Herbert Diess wohl für Einschnitte plane. Mehr als 1000 Leiharbeitern fehle schon heute die Perspektive. Das Aus für den VW Phaeton hat die Gläserne Manufaktur in Dresden in eine Fabrik ohne Produktion verwandelt. Seit kurzem ist bekannt, dass Diess über 3000 Jobs in der Verwaltung für überflüssig hält. Die Produktivität soll generell um zehn Prozent steigen. Inzwischen wird hinter vorgehaltener Hand längst über die Zukunft ganzer Standorte gemunkelt, etwa das Motorenwerk Salzgitter.
Die VW-Kernmarke müsse sich ordentlich strecken, sagte Diess kürzlich in einem Interview. „Nur so können wir uns die Zukunft leisten. Und ich bin sicher: Wir werden keine zweite Chance bekommen.“
Die Stimmung an den Standorten ist hochnervös. Bereits vor Wochen warnte Osterloh das Management davor, „heilige Kühe“ schlachten zu wollen. In Emden, wo schon 250 Leiharbeiter gehen müssen, empfing diese Woche ein Plakat Diess bei dessen Werksbesuch: „Wir haben DIESS nicht verdient“.
