Wolfsburg - Im Machtkampf bei Volkswagen suchen die Aufsichtsräte hinter den Kulissen nach einem Ausweg aus der festgefahrenen Situation. Die Zeit drängt. In der jetzigen Lage sei die Hauptversammlung am 5. Mai in Hannover „undenkbar“, sagte ein Aufsichtsratsinsider am Dienstag. Weitere mit der Arbeit des Kontrollgremiums vertraute Personen bestätigten, dass im Hintergrund „die Drähte glühen“.

Konzernchef Martin Winterkorn ist nach der Attacke von VW-Patriarch Ferdinand Piëch stark angeschlagen. Der 77-Jährige hatte am Freitag dem „Spiegel“ gesagt: „Ich bin auf Distanz zu Winterkorn.“

Regulär tagt der Aufsichtsrat erst wieder am 4. Mai, einen Tag vor dem Aktionärstreffen. Das „Handelsblatt“ berichtete von Plänen, außer der Reihe eine Aufsichtsratssitzung einzuberufen. Dafür gab es zunächst keine Bestätigung.

Mit der Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat und den zwei Vertretern des Landes Niedersachsen auf der Kapitalseite hat sich eine Allianz für Winterkorn ausgesprochen. Doch in der derzeitigen Führungskrise geht es nicht ums Stimmenzählen der Aufsichtsratsmandate. Übereinstimmend berichteten Insider, dass Frontenbildung im Aufsichtsrat kontra Piëch niemanden weiterbringe. Piëch gilt als VW-Machtzentrum, an seinem Willen vorbei sei bei Volkswagen nachhaltig keine Politik zu machen.

Der Ball liegt nun offensichtlich im österreichische Bundesland Salzburg, wo die Piëchs und Porsches zu Hause sind. Piëch dürfte zunächst den Dialog mit den Porsches suchen, wie Kenner der Führungsabläufe berichten.


Wolfgang Porsche, Sprecher des Familienzweigs, hatte Piëchs Zitat zwar zunächst als „Privatmeinung“ zurückgewiesen. Die Aussage sei nicht abgestimmt. Das aber ist noch lange kein Treueschwur für Winterkorn, der hinter den jüngsten Rekorden des Autobauers steht, aber eben doch auch einige ungelöste Dauerbaustellen in seinem Zwölf-Marken-Reich hat.