Wolfsburg/Emden - Beim kriselnden Autobauer VW wird mitten im Abgas-Skandal der Streit über den richtigen Sparkurs jetzt mit harten Bandagen ausgetragen. Der Betriebsrat fürchtet einen Jobabbau und fordert Arbeitsplatz-Garantien. Von einem „gravierenden Vertrauensproblem“ zwischen Arbeitnehmerseite und Management ist die Rede.
Doch damit nicht genug: Zugleich steht die Frage an, ob die Manager bei VW den Abgas-Skandal im Geldbeutel spüren sollen: Der „Spiegel“ berichtet, dass VW-Manager trotz Krise auf hohe Bonuszahlungen bestehen. Ein VW-Sprecher nannte das „pure Spekulation“. Vorstandschef Matthias Müller hatte 2015 versprochen, dass der Vorstand bei den Boni im Zuge der Krise „den Gürtel enger schnallen“ werde. Ein Sprecher bekräftigte das: „Der Vorstand steht dazu, Vorbild zu sein, wenn es um die Anpassung der Boni geht.“
Ungeachtet dessen wird im Konzern bereits über die Zukunft Tausender Arbeitsplätze bei der VW-Kernmarke gestritten. Betriebsratschef Bernd Osterloh forderte Gespräche über einen neuen „Zukunftspakt“.
Es gebe keine Basis mehr für die bisherige Form der Zusammenarbeit. Diskussionen über einen „Zukunftspakt“ seien nötig, um die aktuellen Spekulationen zur Sicherheit von Jobs und Werken in Deutschland zu beenden. „Darin wollen wir feste Produkt-, Stückzahl- und Investitionszusagen für die nächsten Jahre festschreiben“, heißt es in dem Brief, den auch die Betriebsratschefs aus Emden, Hannover, Kassel, Salzgitter, Braunschweig und VW-Sachsen unterschrieben haben.
Der Betriebsrat fürchtet, dass das Management in der Abgas-Affäre den Renditedruck verschärfe: „So haben wir den Eindruck, dass der Diesel-Skandal hinterrücks dazu genutzt werden soll, personelle Einschnitte vorzunehmen, die bis vor wenigen Monaten kein Thema waren.“
Der Vorstand der VW-Kernmarke zeigte sich bereit, rasch in Gespräche über mehr Planungssicherheit einzusteigen.
