Wolfsburg/Brüssel - VW-Chef Matthias Müller ist nach seiner Reise in die USA noch nicht zurück, da prasseln auf Europas größten Autobauer Volkswagen bereits die nächsten schlechten Nachrichten ein: Als Konsequenz aus dem Abgasskandal kann VW vorerst nicht mehr auf frische Darlehen der Europäischen Investitionsbank (EIB) hoffen.

„Wir haben entschieden, neue Kredite für Volkswagen vorerst zurückzustellen“, sagte EIB-Chef Werner Hoyer am Donnerstag in Brüssel. Um welche Beträge es dabei gehen könnte, blieb offen.

Die EIB ist die Hausbank der EU und fördert unter anderem Infrastruktur- und Energieprojekte sowie Forschung und Entwicklung von Unternehmen. VW sei ein langjähriger Partner der Bank, sagte Hoyer. Die Bank sei besorgt über Anschuldigungen eines möglicherweise betrügerischen Verhaltens. „Die EIB hat eine eigene Untersuchung in dieser Angelegenheit begonnen“, sagte Hoyer.

Es sei nicht ausgeschlossen, dass es eine Verbindung gebe zwischen den „untersuchten Aktivitäten“ von VW und einem Teil eines Darlehens aus dem Jahr 2009. Der Kredit in Höhe von 400 Millionen Euro war für Antriebe gewährt worden und wurde laut Hoyer 2014 zurückgezahlt.

„Wir kommentieren das nicht“, hieß es aus der VW-Zentrale in Wolfsburg. Grundsätzlich gelte aber: „Volkswagen steht seit Monaten in vertrauensvollen Gesprächen mit der Europäischen Investitionsbank. In diesen Gesprächen haben wir die Verwendung der Darlehensmittel offengelegt“, sagte ein Sprecher.


Auch aus Düsseldorf ereilte VW Neuigkeiten, die in Wolfsburg keine Freude hervorrufen dürften. Eine Kanzlei hat dort in ihrer Stiftung für vom Abgas-Skandal betroffene VW-Kunden bereits mehr als 60 000 Autobesitzer versammelt. So viele Kunden hätten sich bei der Stiftung „Stichting Volkswagen Car Claim“ in den Niederlanden registriert, sagte der Anwalt Julius Reiter der „Rheinischen Post“. Offen ist, ob VW überhaupt mit der Stiftung verhandeln will.

Derweil forderte der Vorsitzende der Verbraucherschutzministerkonferenz, der nordrhein-westfälische Umwelt- und Verbraucherschutzminister Johannes Remmel (Grüne), wegen des VW-Skandals politische und rechtliche Konsequenzen.

Zum Schutz der VW-Kunden müsse die Bundesregierung das Instrument der Verbraucherschutz-Klagen ausbauen, sagte Remmel. Hierdurch könnten etwa die Verbraucherverbände befugt werden, durch Musterverfahren für die Vielzahl der betroffenen Verbraucher das Bestehen von Ansprüchen feststellen zu lassen.